Auf meines Kindes Tod (1)

Joseph von Eichendorff

1841

Freuden wollt ich Dir bereiten; Zwischen Kämpfen, Lust und Schmerz Wollt‘ ich treulich dich geleiten Durch das Leben himmelwärts.

Doch du hast′s allein gefunden, Wo kein Vater führen kann, Durch die ernste dunkle Stunde Gingst du schuldlos mir voran.

Wie das Säuseln leiser Schwingen Draußen über Wald und Kluft Ging zur selben Stund‘ ein Singen Ferne durch die stille Luft.

Und so fröhlich glänzt der Morgen, ‚s war, als ob das Singen sprach: Jetzo lasset alle Sorgen; Liebt ihr mich, so folgt mir nach!

Ich führt‘ dich oft spazieren In Winter-Einsamkeit; Kein Laut ließ sich da spüren, Du schöne, stille Zeit!

Lenz ist′s nun, Lerchen singen Im Blauen über mir; Ich weine still - sie bringen Mir einen Gruß von dir.

Von fern‘ die Uhren schlagen, Es ist schon tiefe Nacht, die Lampe brennt so düster, das Bettlein ist gemacht.

Die Winde nur noch gehen Wehklagend um das Haus, Wir sitzen einsam drinnen Und lauschen oft hinaus.

Es ist, als müßtest leise Du klopfen an die Tür, Du hätt′st dich nur verirret Und käm′st nun müd‘ zurück.

Wir armen, armen Toren! Wir irren ja im Graus Des Dunkels noch verloren, - Du fand′st dich längst nach Haus.

Dort ist so tiefer Schatten, Du schläfst in guter Ruh‘, Es deckt mit grünen Matten Der liebe Gott dich zu.

Die alten Weiden neigen Sich auf dein Bett herein, Die Vöglein in den Zweigen, sie singen treu dich ein.

Und wie in goldnen Träumen Geht linder Frühlingswind Rings in den stillen Bäumen - Schlaf wohl, mein süßes Kind!

Mein liebes Kind, Ade! Ich konnt‘ Ade nicht sagen, Als sie dich fortgetragen, Vor tiefem, tiefem Weh.

Jetzt auf lichtgrünem Plan Stehst du im Myrtenkranze Und lächelst aus dem Glanze Mich still voll Mitleid an.

Und Jahre nahn und gehen, Wie bald bin ich verstoben - O bitt‘ für mich da droben, Daß wir uns wiedersehn!

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Illustration zu Auf meines Kindes Tod (1)

Interpretation

Das Gedicht "Auf meines Kindes Tod (1)" von Joseph von Eichendorff ist eine tief bewegende Trauerarbeit des Dichters über den Verlust seines Kindes. Es beschreibt den Schmerz und die Einsamkeit, die mit dem Tod des Kindes einhergehen, aber auch die Hoffnung auf ein Wiedersehen im Jenseits. Im ersten Teil des Gedichts drückt der Dichter seine Trauer und Sehnsucht nach dem verlorenen Kind aus. Er bedauert, dass er nicht in der Lage war, das Kind durch das Leben zu führen und es vor dem Tod zu bewahren. Doch gleichzeitig erkennt er an, dass das Kind alleine den Weg ins Jenseits gefunden hat, wo kein Vater folgen kann. Der Dichter beschreibt den Tod als eine ernste, dunkle Stunde, durch die das Kind schuldlos vorangegangen ist. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Hoffnung auf ein Wiedersehen im Jenseits deutlich. Der Dichter stellt sich vor, wie das Kind nun in einem friedlichen, grünen Tal liegt, umgeben von Weiden und Vögeln, die es in den Schlaf singen. Er wünscht dem Kind eine gute Ruhe und hofft, dass es ihn von dort oben im Himmel segnen und für ein Wiedersehen beten wird. Das Gedicht endet mit einem Abschiedsgruß und der Sehnsucht nach dem Tag, an dem sie sich wiedersehen werden.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Und lächelst aus dem Glanze Mich still voll Mitleid an
Personifikation
Die Vöglein in den Zweigen, sie singen treu dich ein