Auf hohem Berge
unknownIch stand auf hohem Berge Und blickte ins Tal hinab: Dort wohnen die kleinen Menschen, Die lange geliebet ich hab!
Dort ragt die graue Kirche, Die ist schon alt genug; Dort schrieb mich einst der Küster Ins große Kirchenbuch.
Und drüben steht die Kapelle, Dort sang ich den ersten Choral; Der Kantor spielte die Geige Und schlug mich mannigmal.
Doch wo die Linden rauschen, Da glänzt ein schneeweißes Haus; Dort schauen die Monatsrosen Hoch oben zum Fenster hinaus. -
O blühet fort, ihr Rosen, Ohn Not und Ungemach, Bis daß ich euch wiederschaue Wohl über Jahr und Tag;
Bis daß ich wieder wandle Die heimlichen Gassen hin, Bis daß ich wieder küsse Meine lustige Nachbarin.
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Interpretation
Das Gedicht "Auf hohem Berge" von Georg Ludwig Weerth handelt von einem Rückblick auf die Heimat des lyrischen Ichs. Der Sprecher steht auf einem hohen Berg und blickt ins Tal hinab, wo er einst seine geliebten Menschen wohnten. Er erinnert sich an die Kirche, in deren Buch er einst eingetragen wurde, und an die Kapelle, in der er seinen ersten Choral sang. Auch die Geige des Kantors und die Ohrfeigen, die er erhielt, sind Teil seiner Erinnerungen. Besonders berührt ihn das Haus, in dem seine Nachbarin wohnt, umgeben von blühenden Rosen. Er wünscht sich, dass die Rosen weiter blühen mögen, bis er sie wiedersehen und seine Nachbarin wieder küssen kann. Das Gedicht vermittelt eine Sehnsucht nach der verlorenen Heimat und den Menschen, die der Sprecher einst liebte. Es thematisiert die Vergänglichkeit der Zeit und die Hoffnung auf eine Rückkehr in die vertraute Umgebung. Die Sprache des Gedichts ist einfach und volkstümlich gehalten, was die nostalgische Stimmung unterstreicht. Die Wiederholung des Wunsches, die Rosen mögen weiter blühen, bis er zurückkehrt, betont die Intensität seiner Sehnsucht. Insgesamt entsteht ein Bild von einer idyllischen, aber vergangenen Heimat, die der Sprecher mit Wehmut und Hoffnung zugleich betrachtet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Meine lustige Nachbarin
- Metapher
- Hoch oben zum Fenster hinaus
- Personifikation
- Dort wohnen die kleinen Menschen