Auf gewisse Ausleger der Alten
1724Beklagt des Grüblers trocknen Fleiß, Der in der Alten besten Werken Nur eine Lesart zu bemerken, Nur Wörter auszusichten weiß. Ihr Geist, Geschmack und Unterricht Befruchtet seine Seele nicht, Sie mag sich noch so weise dünken: Und, nützt der klügern Welt sein Buch, So gleicht er denen, die, zum Fluch, Den Wein zwar keltern, doch nicht trinken.
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Interpretation
Das Gedicht "Auf gewisse Ausleger der Alten" von Friedrich von Hagedorn kritisiert die trockene und pedantische Art, wie einige Gelehrte antike Werke interpretieren. Der Dichter beklagt den Fleiß jener Grübler, die sich ausschließlich darauf konzentrieren, in den besten Werken der Alten eine bestimmte Lesart zu finden oder Wörter auszusiechen, ohne den Geist, Geschmack und Unterricht dieser Werke auf ihre Seele wirken zu lassen. Diese Gelehrten mögen sich noch so weise dünken, doch sie verpassen den eigentlichen Nutzen und die Bereicherung, die aus einer tieferen Auseinandersetzung mit den antiken Texten erwachsen könnten. Hagedorn vergleicht diese Ausleger mit denen, die Wein keltern, ihn aber nicht trinken. Sie mögen die technische Fähigkeit besitzen, den Wein herzustellen, doch sie nutzen ihn nicht selbst und lassen andere von ihrem Werk profitieren. Ebenso verfügen die Grübler über das Wissen und die Fähigkeit, antike Werke zu interpretieren, doch sie selbst ziehen keinen wirklichen Nutzen daraus und bereichern ihre Seele nicht. Das Gedicht plädiert für eine lebendigere und geistvollere Art der Auseinandersetzung mit den Alten. Es geht nicht nur darum, die Worte und Lesarten zu analysieren, sondern den Geist und die Lehren der antiken Werke auf sich wirken zu lassen und sich davon inspirieren und belehren zu lassen. Nur so kann man den wahren Wert und Nutzen dieser Werke für sich selbst und die klügere Welt erschließen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Beklagt des Grüblers trocknen Fleiß
- Metapher
- Und, nützt der klügern Welt sein Buch, So gleicht er denen, die, zum Fluch, Den Wein zwar keltern, doch nicht trinken.
- Personifikation
- Befruchtet seine Seele nicht
- Vergleich
- So gleicht er denen, die, zum Fluch, Den Wein zwar keltern, doch nicht trinken.