Auf einen schönen und artigen Papagoy

Christiana Mariana von Ziegler

1739

Es hat dich die Natur recht herrlich aus geschmücket; Dein Glanz ist ungemein, man bleibt dabey entzücket. Man sage was man will von aller Farben Kunst: Es ist und bleibt fürwahr nur eitler Wörter Dunst. Ich seh das muntre Grün, mit roth und gelb vermenget; Wie sich der weisse Strahl mit in den Schnabel dränget; O Anblick, der fürwahr mir alle Sinnen rührt! Ihr Künstler, saget frey! seyd ihr nicht überführt, Die Wirkung der Natur hat euch hier übertroffen? Ihr schlechten Redner hört, ihr könnt ein gleiches hoffen. Kaum daß sein zartes Ohr sich nach der Stimme richt, Die nur von ohngefehr ein Wörtchen zu ihm spricht, So sagt er deutlich noch was man von ihm verlanget. Die Unschuld redet hier, die nicht mit Worten pranget. Er speist sein Zuckerbrodt, steigt in dem Baur herum, Sieht sich in keiner Schrift nach Wort und Einfall um. Ihn plagt kein schwarzer Neid, er will sich nicht verstellen; Kann er gleich als ein Hund mit seinem Stimmchen bellen. Er lacht, er pfeift, er singt, wenn sich die Zunge regt So wird ein neuer Werth auch an den Tag gelegt. Wie sollte nicht mein Freund den klugen Vogel lieben? Wer ihn nur hört und sieht, wird dazu angetrieben. Ich sorge wahrlich selbst, daß ihn kein Unfall schreckt, Und daß kein Katzenkopf sich nach dem Bauer streckt. Mein Papchen lebe wohl, belache alle Thoren. Die nicht so edel sind in ihrer Art gebohren. Du sprichst dein gutes Deutsch, dein rein gesetzt Latein, Kanst manchem der es lehrt, darinn ein Muster seyn.

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Illustration zu Auf einen schönen und artigen Papagoy

Interpretation

Das Gedicht "Auf einen schönen und artigen Papagoy" von Christiana Mariana von Ziegler ist eine begeisterte Huldigung an einen Papagei. Die Natur hat ihn herrlich geschmückt, sein Glanz ist ungemein und man bleibt entzückt dabei. Die Farbenpracht des Papageis übertrifft jede künstlerische Darstellung, und die Wirkung der Natur hat die Künstler hier übertroffen. Der Papagei ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch ein sprachbegabtes Geschöpf, das deutlich spricht und singt, ohne von Neid oder Verstellung geplagt zu sein. Er ist ein kluger Vogel, den jeder lieben muss, der ihn hört und sieht. Die Autorin sorgt sich um das Wohl des Papageis und wünscht ihm ein langes Leben, frei von Unfällen und Gefahren. Sie ermutigt den Papagei, alle Narren zu belächeln, die nicht so edel in ihrer Art geboren sind. Der Papagei spricht gutes Deutsch und reines Latein und kann vielen, die es lehren, ein Vorbild sein. Das Gedicht ist eine Ode an die Schönheit und Intelligenz des Papageis, die die Autorin in höchsten Tönen lobt und bewundert.

Schlüsselwörter

kein natur bleibt will fürwahr alle hört sieht

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Kaum daß sein zartes Ohr sich nach der Stimme richt
Anapher
Er lacht, er pfeift, er singt
Appell
Ihr Künstler, saget frey! seyd ihr nicht überführt
Hyperbel
Dein Glanz ist ungemein, man bleibt dabey entzücket.
Ironie
Die nicht so edel sind in ihrer Art gebohren.
Kontrast
Ihn plagt kein schwarzer Neid, er will sich nicht verstellen
Metapher
Es ist und bleibt fürwahr nur eitler Wörter Dunst.
Personifikation
Die Unschuld redet hier, die nicht mit Worten pranget.
Vergleich
Kann er gleich als ein Hund mit seinem Stimmchen bellen.