Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.

Auf einen Papefiguier

Von

Der blasse Chaerilus wird oft, aus Eifer, roth,
Wann ich das erste Paar im Milton reizend finde.
Er bleibe, was er ist: so dürr als Miltons Tod.
Und bosheitvoll, wie Miltons Sünde!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Auf einen Papefiguier von Friedrich von Hagedorn

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Auf einen Papefiguier“ von Friedrich von Hagedorn ist eine bissige literarische Kritik, die sich gegen einen Zeitgenossen, den Dichter Chaerilus, richtet. Die ersten Zeilen des Gedichts enthüllen die Absicht des Sprechers, der die Neigung des Chaerilus zu übertriebener Begeisterung und womöglich mangelnder Originalität, wenn er literarischen Vorbildern nacheifert, ironisch kommentiert. Durch die Beschreibung von Chaerilus‘ „rothen“ Gesichtsfarbe, die „aus Eifer“ entsteht, wird ein Bild von leidenschaftlicher, möglicherweise übertriebener Verehrung für das „erste Paar“ in Miltons Werk gezeichnet.

Die folgenden Zeilen kehren die anfängliche Ironie in eine harsche Verurteilung um. Der Sprecher wünscht Chaerilus, er möge „bleibe, was er ist“. Dieser Wunsch ist jedoch alles andere als positiv konnotiert. Im Gegenteil, er wird mit zwei negativen Eigenschaften in Verbindung gebracht: „so dürr als Miltons Tod“ und „bosheitvoll, wie Miltons Sünde!“. Diese Zeilen sind von beißendem Spott geprägt. Indem er Chaerilus mit der vermeintlichen Leblosigkeit des Todes und der moralischen Fragwürdigkeit der Sünde assoziiert, impliziert der Dichter eine Kritik am mangelnden Gehalt, der intellektuellen Leere und möglicherweise auch an der charakterlichen Beschaffenheit des Chaerilus.

Der Bezug zu Milton ist dabei von besonderer Bedeutung. Milton, ein englischer Dichter des 17. Jahrhunderts, war für seine epischen Werke bekannt, darunter „Paradise Lost“. Hagedorn nutzt das Werk Miltons als Vergleichsfolie, um die Unzulänglichkeiten des Chaerilus zu verdeutlichen. Die Anspielung auf „Miltons Tod“ könnte sich auf die fehlende Lebenskraft und Kreativität des Chaerilus beziehen. Die Erwähnung der „Miltons Sünde“ könnte auf die moralische Ambivalenz in Miltons Werk anspielen oder auf eine potenzielle Verfehlung von Chaerilus als Dichter.

Insgesamt ist „Auf einen Papefiguier“ ein kurzes, aber prägnantes Beispiel für literarische Polemik. Hagedorn greift seinen Gegner, Chaerilus, mit scharfzüngiger Ironie und direkter Kritik an. Der Fokus liegt auf der Hervorhebung der vermeintlichen Unzulänglichkeiten von Chaerilus als Dichter, indem er ihm eine mangelnde Originalität und, indirekt, ein Fehlen von Lebendigkeit und moralischer Integrität vorwirft. Die Anwendung des Vergleichs mit Milton verstärkt die Wirkung des Gedichts und unterstreicht die Absicht Hagedorns, eine vernichtende literarische Kritik zu formulieren.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.