Auf einen Lächler

Friedrich von Hagedorn

1708

Seht, wie ein seichter Fluß, der voller Wirbel läuft, Je minder tief er ist, die kleinen Kreise häuft! Des seichten Glycons Bild, des Lächlers ohne Geist, Der stets die Backen dehnt, stets ihre Grübchen weist.

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Interpretation

Das Gedicht "Auf einen Lächler" von Friedrich von Hagedorn beschreibt die Oberflächlichkeit eines Menschen, der ständig lächelt, ohne dabei echte Tiefe oder Geist zu besitzen. Der Vergleich mit einem seichten Fluss, der voller Wirbel ist, verdeutlicht, dass oberflächliche Menschen oft viel Bewegung und Aktivität zeigen, aber an Substanz mangeln. Die Wirbel symbolisieren die oberflächlichen Gesten und das ständige Lächeln, das Glycon, der Lächler, an den Tag legt. Die zweite Strophe verstärkt diesen Eindruck, indem sie Glycon als "Lächler ohne Geist" bezeichnet. Sein ständiges Lächeln, das die Backen dehnt und die Grübchen in ihnen zeigt, wird als leeres, mechanisches Verhalten dargestellt. Dieses Lächeln ist nicht Ausdruck von Freude oder echtem Wohlwollen, sondern vielmehr ein Zeichen für die geistige Leere und die mangelnde Tiefe des Charakters. Das Gedicht kritisiert somit die Oberflächlichkeit und den Mangel an intellektueller Tiefe, die oft hinter einem ständigen Lächeln verborgen sein können. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Botschaft, dass äußere Erscheinungen wie ein ständiges Lächeln nicht zwangsläufig auf innere Qualitäten oder Tiefe schließen lassen. Es ermutigt den Leser, über die Oberfläche hinauszublicken und die wahre Natur eines Menschen zu erkennen, anstatt sich von äußeren Gesten täuschen zu lassen.

Schlüsselwörter

stets seht seichter fluß voller wirbel läuft minder

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Stilmittel

Metapher
Seht, wie ein seichter Fluß, der voller Wirbel läuft
Personifikation
Der stets die Backen dehnt, stets ihre Grübchen weist
Vergleich
Des seichten Glycons Bild, des Lächlers ohne Geist