Auf einen Gefallenen
1906Als Bewußtsein deines Falles Unser armes Herz durchdrang: Wieder wars geschehn um alles Wir erbleichten, wurden krank. Und die wissender sich deuchten, Fühlten, daß sie nicht gewußt, Als sie so verließ dein Leuchten. Übertraf sie der Verlust.
Wie du zieltest, wie du ranntest, Ließen froh wir dich hinweg, Keinen Blick auf uns verwandtest Du aus Augen stark und keck. Eiltest herrisch durch das Leben, Schiedest ohne letzten Wink, Und wir fühlten dich fast schweben, Als dein Licht schon unterging.
Wiederum in jähem Sturze Fiel ein Knabe unbewacht, Den es hinriß durch die kurze Lebenszeit zu Kampf und Schlacht. Reinem Lose, stolzem Fliegen, Unbewußtem Überschwang, Führe es auch nicht zu Siegen, Schallt doch ewig der Gesang.
Was ruft die längst entschwundenen Gefühle, Noch immer fordernd, daß ich Rede steh? Ward nicht ein Neues durch des Todes Kühle, Wie sich das Land verändert durch den Schnee?
Nennt ein Gespenst mir noch die taumelnd-schwüle, Doch lang verschneite Stunde auf dem See, Die Blumensprache und den Tanz am Bühle? Ward nicht zur Lösung uns das weite Weh?
Mit weißer Decke feierlich bekleidet Der Leichnam ruht, die Erde harrend steht Und namenloser als ein Mensch, der leidet…
Was hindert das beginnende Gebet? Ist es der grimmen Wolken wilde Reise? Oder das dunkle Brauen unterm Eise?
Nun herrschen über ihn der Fremde Geister, Und nur der Wind ist ein bekannt Geleit. Nun ist er abgeschieden und verwaister Als jemals in erwünschter Einsamkeit.
Ihn führten fort die unsichtbaren Meister, Doch selbst ihr Hohn verließ ihn vor der Zeit. Nun schrillt im Walde blinder und ergreister Baumstämme über ihm der Wolken Streit.
Ein wandernd Wesen mit verlornen Sinnen Ist seine Seele, von der Not verheert, Rufen der Angst hebt an, ihm zu entrinnen…
Da aber wird die Tröstung neu gewährt: Des Echo Antwort tönt nach kleiner Weile Wie eine ferne Botschaft von dem Heile.
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Interpretation
Das Gedicht "Auf einen Gefallenen" von Ernst Blass behandelt den Schmerz und die Verwirrung, die der Tod eines jungen Menschen hinterlässt. Der Dichter beschreibt, wie der plötzliche Verlust eines geliebten Menschen diejenigen, die zurückbleiben, in tiefe Trauer und Krankheit stürzt. Diejenigen, die sich weise und wissend fühlten, erkennen, dass sie den Verlust nicht vorhergesehen hatten und von der Größe des Verlustes überwältigt sind. Das Gedicht reflektiert auch über das Leben des Verstorbenen, der voller Energie und Zielstrebigkeit war. Der junge Mensch lebte sein Leben mit Entschlossenheit und ohne Rücksicht auf diejenigen, die zurückblieben. Der Dichter beschreibt, wie der Verstorbene fast schwebend durch das Leben eilte, bis sein Licht erlosch. Das Gedicht endet mit der Hoffnung auf Trost und Heilung. Der Dichter beschreibt, wie die Seele des Verstorbenen, die von der Not gezeichnet ist, durch die Antwort des Echo, das wie eine ferne Botschaft vom Heil klingt, Trost findet. Das Gedicht ist eine tiefgründige Reflexion über den Tod, die Trauer und die Hoffnung auf Trost und Heilung.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Hyperbel
- Übertraf sie der Verlust
- Metapher
- Wie eine ferne Botschaft von dem Heile
- Personifikation
- Und die wissender sich deuchten