Auf eine Hochzeit
1738Mein Herr! ihr habt euch nun mit Leib und Seel verpflicht. Mich wundert, daß euch noch der süsse Kützel sticht, Da ihr doch selber wißt, wie weh euch einst geschehen, Als ihr Dianens Bild zu kühnlich angesehen. Ihr schweigt! Ich merke schon, daß euch das Glücke wiegt, Und nunmehr eure Brust mit Götter-Kost vergnügt; Ich gönn euch diesen Tausch; ja, darf ich prophezeyhen, So wird euch Cypripor zum Liebes-Priester weyhen.
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Interpretation
Das Gedicht "Auf eine Hochzeit" von Sidonia Hedwig Zäunemann thematisiert die Eheschließung zweier Personen und die damit verbundenen Gefühle und Erwartungen. Die Sprecherin richtet sich direkt an den Bräutigam und erinnert ihn an die Verpflichtungen, die er mit Leib und Seele eingegangen ist. Sie zeigt sich überrascht, dass er sich erneut in eine Liebesbeziehung stürzt, obwohl er bereits die schmerzlichen Erfahrungen einer früheren Beziehung gemacht hat, die mit der Göttin Diana verglichen wird. Die Sprecherin bemerkt, dass der Bräutigam schweigt, was darauf hindeutet, dass er von seinem Glück überwältigt ist. Sie nimmt wahr, dass seine Brust nun mit "Götter-Kost" gefüllt ist, was die tiefe Zufriedenheit und das Glück symbolisiert, das er empfindet. Die Sprecherin wünscht dem Paar diesen Tausch des Schmerzes gegen das Glück und prophezeit sogar, dass der Bräutigam von der Liebesgöttin Venus (Cypria) zum Priester der Liebe geweiht werden wird. Das Gedicht vermittelt eine Mischung aus Skepsis und Hoffnung. Die Sprecherin ist sich der möglichen Fallstricke einer neuen Beziehung bewusst, wünscht dem Paar aber dennoch alles Gute und hofft, dass die Liebe diesmal von Dauer sein wird. Die Verwendung von mythologischen Anspielungen verleiht dem Gedicht eine zeitlose und universelle Dimension, die die ewige Suche nach Liebe und Glück widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Dianens Bild
- Metapher
- Liebes-Priester
- Personifikation
- Glücke wiegt