Auf eine Biene in der Villa Medicis

Friedrich Hebbel

1813

Holdes Bienchen, du irrst! Dort winkt dir blühend der Lorbeer, Sprich, was umsurrst du denn mir emsig die Wang′ und den Mund? Honig entsaugst du mir nicht, du seist denn ein schelmisches Mädchen, Das sich vermummte, und dann komm in der wahren Gestalt! Sinnst du mir aber ein Arges, gedenkst du, dafür mich zu strafen, Daß ich ein Mensch nur bin, nimmer die Rose des Tals, Oder bin ich dir gar aus alter Zeit noch verschuldet, Hab′ ich als Blume vielleicht einst dir geweigert den Trunk: O, besieh mich vorher, ob nicht mit schärferem Stachel Dich ein stärkerer Feind lange an mir schon gerächt; Sieht, du setztest dich leicht auf eine Narbe, denn manche Hab′ ich, ich zuckte dir kaum, aber du littest den Tod.

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Illustration zu Auf eine Biene in der Villa Medicis

Interpretation

Das Gedicht "Auf eine Biene in der Villa Medicis" von Friedrich Hebbel handelt von einem lyrischen Ich, das von einer Biene umschwirrt wird. Die Biene wird als "holdes Bienchen" angesprochen, was eine gewisse Zärtlichkeit und Zuneigung ausdrückt. Das Ich stellt sich die Frage, warum die Biene gerade es umschwirrt, obwohl es doch bessere Möglichkeiten gibt, wie den Lorbeer, der dort blüht. Das lyrische Ich vermutet, dass die Biene entweder ein schelmisches Mädchen ist, das sich vermummt hat und nun in seiner wahren Gestalt erscheint, oder dass die Biene ihm etwas Böses will und es dafür bestrafen möchte, dass es kein Mensch ist, sondern nur eine Rose des Tals. Es fragt sich auch, ob es der Biene aus einer früheren Zeit noch etwas schuldet, vielleicht weil es ihr als Blume einst den Nektar verweigert hat. Das Ich bittet die Biene, es vorher anzusehen, ob es nicht schon von einem stärkeren Feind mit einem schärferen Stachel gerächt wurde. Es deutet an, dass es viele Narben hat, die kaum noch schmerzen, aber für die Biene tödlich sein könnten. Das Gedicht vermittelt eine gewisse Ambivalenz zwischen Zuneigung und Bedrohung, zwischen Verführung und Bestrafung.

Schlüsselwörter

hab holdes bienchen irrst winkt blühend lorbeer sprich

Wortwolke

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Stilmittel

Anspielung
Daß ich ein Mensch nur bin, nimmer die Rose des Tals
Bildsprache
Honig entsaugst du mir nicht, du seist denn ein schelmisches Mädchen
Hyperbel
O, besieh mich vorher, ob nicht mit schärferem Stachel Dich ein stärkerer Feind lange an mir schon gerächt
Kontrast
Sieht, du setztest dich leicht auf eine Narbe, denn manche Hab' ich, ich zuckte dir kaum, aber du littest den Tod
Metapher
Holdes Bienchen, du irrst! Dort winkt dir blühend der Lorbeer
Personifikation
Sprich, was umsurrst du denn mir emsig die Wang' und den Mund?