Auf ein sehr schönes junge Mädchen

Friedrich Hebbel

1863

Wohl lächelt mir dein roter Mund, Wohl reizt mich deine Huldgestalt, Doch such′ ich nicht mit dir den Bund, Denn du bist jung und ich bin alt.

Dir würde ein Antinous, Der aller Götter Liebling ist, Noch zagen unterm ersten Kuß, Ob er sich nicht zu viel vermißt.

Kein Mädchenauge schloß der Tod, Du erbtest seinen reinsten Blitz, Und deiner Wangen sanftes Rot Ist jedes Lächelns holder Sitz.

Wie wagt′ ich′s wohl, mich dir zu nahn, Der zürnenden Natur zum Hohn, Du stehst im Anfang deiner Bahn, Ich seh′ das dunkle Ende schon.

Wär′ ich ein König, baut′ ich dir, Das schönste Haus mit Turm und Wall Und setzte dich hinein zur Zier, Wie eine Ros′ in den Kristall.

Doch, da ich nur ein Dichter bin, Mit leichtem Kranz und Pilgerstab, So segn′ ich dich in frommem Sinn Und wende mich für ewig ab.

Nun stehst du in der Engel Hut, Bis einst die Liebe Wache hält, Denn sie beschirmen Dichtergut, Bis es in reine Hände fällt.

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Illustration zu Auf ein sehr schönes junge Mädchen

Interpretation

Das Gedicht "Auf ein sehr schönes junge Mädchen" von Friedrich Hebbel handelt von der unerfüllten Liebe eines älteren Mannes zu einer jungen, schönen Frau. Der Sprecher bewundert die Schönheit des Mädchens, erkennt aber, dass ihre Jugend und Unschuld unvereinbar mit seinem Alter und seiner Lebenserfahrung sind. Er vergleicht sie mit einem Antinous, einem Symbol für vollkommene männliche Schönheit, und betont, dass selbst ein solcher Gott vor ihrer Anmut zögern würde. Das Gedicht erkundet auch die Themen Sterblichkeit und Vergänglichkeit. Der Sprecher sieht das Mädchen am Anfang ihres Lebensweges stehen, während er selbst das "dunkle Ende" bereits vor Augen hat. Diese Bewusstheit von Zeit und Alter verstärkt die Unmöglichkeit ihrer Verbindung und führt zu einer resignierten Akzeptanz der Situation. Im letzten Teil des Gedichts drückt der Sprecher seine Sehnsucht aus, das Mädchen zu beschützen und zu bewahren, wie ein König ein Haus für sie bauen würde. Da er jedoch nur ein Dichter ist, kann er ihr nur seinen Segen geben und sich von ihr abwenden. Er vertraut darauf, dass die Engel, die Dichter beschützen, über sie wachen werden, bis sie in die Hände eines würdigen Liebhabers fällt. Das Gedicht endet mit einer bittersüßen Note, die die Schönheit der unerfüllten Liebe und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für das Mädchen einfängt.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Deiner Wangen sanftes Rot
Bildsprache
Ich seh′ das dunkle Ende schon
Hyperbel
Der aller Götter Liebling ist
Kontrast
Denn du bist jung und ich bin alt
Metapher
In der Engel Hut
Personifikation
Wohl lächelt mir dein roter Mund
Symbolik
In frommem Sinn
Vergleich
Wie eine Ros′ in den Kristall