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Auf ein gewisses Lobgedicht

Von

Mich nennt der durstige Hircan
Recht dichterisch den Dichter-Schwan,
Den Phöbus sich erkießt.
Durch ihn werd′ ich so stolz gemacht,
Als wenn mir eine Metze lacht,
Und mich ein Jude grüßt.

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Gedicht: Auf ein gewisses Lobgedicht von Friedrich von Hagedorn

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Auf ein gewisses Lobgedicht“ von Friedrich von Hagedorn ist eine satirische Auseinandersetzung mit der Bedeutung und Wirkung von Lob. Es beginnt mit der Erwähnung eines schmeichelhaften Lobes, das dem lyrischen Ich von einem „durstigen Hircan“ zugesprochen wird, der es als „Dichter-Schwan“ und von „Phöbus sich erkießt“ bezeichnet. Diese schmeichelnden Worte, die den Dichter in eine Reihe mit bedeutenden literarischen Figuren stellen, werden jedoch sofort relativiert.

Die Ironie des Gedichts liegt in der Reaktion des lyrischen Ichs auf das Lob. Anstatt sich geehrt zu fühlen, vergleicht es die Wirkung der lobenden Worte mit der Freude über das Lächeln einer Metze (einer Prostituierten) oder der Begrüßung durch einen Juden. Diese Vergleiche, die in der Zeit von Hagedorn antisemitische Stereotypen enthielten, sind bewusst gewählt, um die Bedeutungslosigkeit des Lobes und die damit verbundene, nur scheinbare Erhöhung der eigenen Person zu unterstreichen.

Die Sprache des Gedichts ist einfach und direkt, was den satirischen Charakter zusätzlich verstärkt. Der Einsatz von Alltagssprache und die Verwendung von Bildern, die auf eine gewisse soziale Distanz zwischen dem lyrischen Ich und denjenigen hindeuten, die es loben, verdeutlichen die Haltung des Dichters. Durch die drastischen Vergleiche wird die Absurdität des Lobes herausgestellt und die Fähigkeit des Ichs, die äußeren Werturteile zu hinterfragen, hervorgehoben.

Die Kernaussage des Gedichts ist eine Kritik an der Oberflächlichkeit und Scheinheiligkeit von Lobpreisungen. Hagedorn scheint die gängige Praxis des Lobens zu verspotten, das oft ohne wahre Wertschätzung oder Kenntnis der tatsächlichen Leistung erfolgt. Das Gedicht entlarvt die Eitelkeit, die mit solchen Lobeshymnen einhergeht, und zeigt, wie leicht sich das Ich durch äußere Anerkennung täuschen lässt. Es regt den Leser dazu an, die wahren Beweggründe hinter dem Lob zu hinterfragen und sich nicht von oberflächlichen Komplimenten blenden zu lassen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.