Auf die Winterszeit
1663Der Winter hat sich angefangen, Der Schnee bedeckt das ganze Land, Der Sommer ist hinweggegangen, Der Wald hat sich in Reif verwandt.
Die Wiesen sind von Frost versehret, Die Felder glänzen wie Metall; Die Blumen sind in Eis verkehret, Die Flüsse stehn wie harter Stahl.
Wolan, wir wollen von uns jagen Durchs Feur das kalte Winterkleid; Komt, laßt uns Holz zum Herde tragen Und Kohlen dran, jetzt ist es Zeit.
Laßt uns den Fürnewein hergeben Dort unten aus dem großen Faß! Das ist das rechte Winterleben: Ein′ heiße Stub′ und kühles Glas.
Wolan, wir wollen musicieren Bei warmer Luft und kühlen Wein; Ein ander mag sein′ Klagen führen, Den Mammon nie läßt frölich sein.
Wir wollen spielen, scherzen, essen, Solang′ uns noch kein Geld gebricht, Doch auch der Schönsten nicht vergessen, Denn wer nicht liebt, der lebet nicht.
Wir haben dennoch gnug zu sorgen, Wann nun das Alter komt heran; Es weiß doch keiner, was ihm morgen Noch vor ein Glück begegnen kan.
Drum wil ich ohne Sorgen leben, Mit meinen Brüdern frölich sein. Nach Ehr′ und Tugend thu′ ich streben, Den Rest befehl′ ich Gott allein.
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Interpretation
Das Gedicht "Auf die Winterszeit" von Johann Rist beschreibt den Einzug des Winters und die damit verbundenen Veränderungen in der Natur. Der Dichter malt ein Bild von verschneiten Landschaften, gefrorenen Wiesen und Flüssen, die sich in harten Stahl verwandelt haben. Die Natur scheint in einen Zustand der Starre und Kälte versunken zu sein. In den folgenden Strophen ruft der Dichter dazu auf, die winterliche Kälte durch Wärme und Geselligkeit zu vertreiben. Er schlägt vor, Holz und Kohlen zu holen, um ein gemütliches Feuer zu entfachen und den Fürnewein zu genießen. Das Winterleben wird als ein Leben in einer warmen Stube mit einem kühlen Glas Wein beschrieben, begleitet von Musik und Spiel. Der Dichter betont die Bedeutung von Liebe und Freude im Leben. Er ermutigt dazu, zu spielen, zu scherzen und zu essen, solange das Geld reicht, und dabei die Schönheit der Frauen nicht zu vergessen. Trotz der Freuden des Lebens erkennt der Dichter die Sorgen und Unsicherheiten an, die das Alter mit sich bringen kann. Letztendlich entscheidet er sich jedoch dafür, ohne Sorgen zu leben, mit seinen Brüdern fröhlich zu sein und nach Ehre und Tugend zu streben, den Rest aber Gott zu überlassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Den Rest befehl′ ich Gott allein
- Personifikation
- Der Winter hat sich angefangen
- Vergleich
- Die Felder glänzen wie Metall