Auf die ruhige Nacht-Zeit

Catharina Regina von Greiffenberg

1662

Sternen-bunter Himmels Thron und du Mond der Nächte Kron! leuchtet / weil den Sonnen-Strahl uns benimmt der Erden Ball.

Stillheit / der Gedanken Grab! stelle Sorg′ und Grämen ab. Stille / stille / still′ in mir alle Herzbewegungs-Gier!

Nun die Musik in der Lufft schläfft in holer Bäume Klufft ruht und kommet mir nit für in der GOtt-Erhebungs Gier.

Süsser GOttes-Gnaden-Safft der auch schlaffend Glück verschafft! fliesse mir in Träumen ein meiner Wolfahrt Schein und Seyn!

Schatten / Freund der Ruhigkeit! Nacht / du Müh′-Ergetzungs-Zeit! ihr solt nie so dunkel seyn daß ihr blendt der Ehren-Schein.

Und du meiner Ruhe Ruh Herzen-Herrscher / komm herzu sey du selbst mein schlaff-Gemach: gib / daß ich dir schlaffend wach.

Meine Augen / schliesset euch seit an Ruh-Gebährung reich! aber du / mein Geist / betracht lobe GOtt um Mitternacht!

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Illustration zu Auf die ruhige Nacht-Zeit

Interpretation

Das Gedicht "Auf die ruhige Nacht-Zeit" von Catharina Regina von Greiffenberg ist ein tief empfundenes Loblied auf die Nacht und ihre spirituelle Bedeutung. Die Dichterin ruft den sternenbesetzten Himmel und den Mond an, die nach dem Untergang der Sonne ihr Licht verbreiten. Sie bittet um innere Stille und Ruhe, um Sorgen und Kummer abzulegen und die Gier nach bewegten Herzen zu stillen. In der zweiten Strophe wendet sich die Dichterin der nächtlichen Stille zu, die wie ein Grab für Gedanken ist. Sie bittet um die Fähigkeit, still und ruhig in sich zu sein, frei von äußeren Einflüssen und inneren Unruhen. Die Nacht wird als eine Zeit der Meditation und spirituellen Erhebung dargestellt, in der die Musik der Natur schläft und der Geist sich auf Gott konzentrieren kann. Die dritte Strophe bringt den Wunsch nach göttlicher Gnade und Segen zum Ausdruck. Die Dichterin bittet darum, dass die "süße Gottes-Gnade" wie ein sanfter Saft in ihre Träume fließt und ihr auf ihrer Lebensreise beisteht. Sie wünscht sich, dass die Nacht niemals so dunkel sein möge, dass der Glanz der Ehre und des Ruhmes verblasst. Die Nacht wird als eine Zeit der Erholung und Erneuerung dargestellt, in der der Geist sich auf Gott konzentrieren und ihn preisen kann.

Schlüsselwörter

stille gier gott schlaffend schein seyn ruh sternen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Stille / stille / still′ in mir
Metapher
Geist / betracht
Personifikation
Sternen-bunter Himmels Thron und du Mond der Nächte Kron