Auf die Motten
1819»Wo ist ein Volk, so frei von allen Plagen, Die andrer Völker traurig Erbteil sind, Ein glücklicher nutzniessrisch Heldenkind, Als unser Schweizervölklein zu erfragen?
Und doch, wie fiebernd seine Pulse schlagen! Für seiner Freiheit Überfülle blind, Hascht übermütig es nach leerem Wind, Wann enden seine undankbaren Klagen?«
So sprechen jene flink gelenken Motten, Die so gemütlich in dem Rauchwerk nisten, Dem warmen, köstlichen, und es zernagen.
»Nur eben euch gilt es noch auszurotten (So sprechen wir, die radikalen Christen), Mit lindem Klopfen aus dem Pelz zu jagen!«
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Interpretation
Das Gedicht "Auf die Motten" von Gottfried Keller ist eine satirische Auseinandersetzung mit den Motten, die als Symbol für Kritiker und Nörgler stehen. Das Gedicht beginnt mit der Frage, wo ein Volk zu finden sei, das so frei von Plagen sei wie das Schweizer Volk. Doch dann wird die Ironie deutlich, als die Motten selbst sprechen und ihre eigene Situation beschreiben. Sie beklagen sich über die fiebrigen Pulse und die blinde Jagd nach leerem Wind, was ihre unzufriedene und undankbare Natur verdeutlicht. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Perspektive gewechselt, und die Motten werden als gemütlich in ihrem Nest beschrieben, das aus Rauchwerk besteht. Sie nagen an diesem Nest, was ihre destruktive Natur symbolisiert. Die Motten werden als "radikale Christen" bezeichnet, was ihre selbstgerechte und missionarische Haltung unterstreicht. Sie wollen andere ausrotten und mit "lindem Klopfen" aus dem Pelz jagen, was ihre aggressive und intoleranten Verhaltensweise verdeutlicht. Insgesamt kritisiert das Gedicht die Motten als unzufriedene und destruktive Wesen, die sich selbst als Opfer sehen, aber in Wirklichkeit anderen schaden. Es ist eine satirische Darstellung von Kritikern und Nörglern, die sich selbst als moralisch überlegen betrachten, aber in Wahrheit nur Unruhe stiften und andere angreifen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- flink gelenken Motten
- Anapher
- »Wo ist ein Volk, so frei von allen Plagen, / Die andrer Völker traurig Erbteil sind, / Ein glücklicher nutzniessrisch Heldenkind, / Als unser Schweizervölklein zu erfragen?
- Hyperbel
- Für seiner Freiheit Überfülle blind
- Ironie
- So sprechen wir, die radikalen Christen
- Kontrast
- Mit lindem Klopfen aus dem Pelz zu jagen!
- Metapher
- Die andrer Völker traurig Erbteil sind
- Personifikation
- Und doch, wie fiebernd seine Pulse schlagen!