Auf die Genesung eines schönen Mädchens
1829Wenn der Tod in neidischem Verlangen Auch schon an dein keusches Bette trat, Ist er doch zurückgegangen, Als er dich gesehen hat.
Seine tränenlosen Augen hingen, Wie erstaunt, an deinem Angesicht; Daß die Rosen drauf vergingen, Weil er′s tat, gewahrt′ er nicht.
Endlich sah er′s; mit beschämten Blicken Hat er nun sich von dir abgewandt; Auch die Lilien noch zu knicken, Zitterte selbst ihm die Hand.
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Interpretation
Das Gedicht "Auf die Genesung eines schönen Mädchens" von Friedrich Hebbel beschreibt den Moment, in dem der Tod, neidisch auf die Schönheit des Mädchens, an ihr Bett tritt, aber beim Anblick ihrer Keuschheit und Schönheit zurückweicht. Der Tod, der sonst ungerührt ist, ist von ihrem Anblick so überrascht, dass er die Wirkung seiner Anwesenheit nicht bemerkt – die Rosen auf ihrem Gesicht verblühen. Erst als er dies erkennt, wendet er sich beschämt ab, und selbst die Lilien, die er noch hätte zerdrücken können, bleiben unversehrt, da selbst ihm die Hand zittert. Das Gedicht zeichnet ein Bild von der unwiderstehlichen Schönheit und Reinheit des Mädchens, die sogar den Tod in seinen Bann zieht und ihn zögern lässt. Die Beschreibung des Todes als neidischer und überraschter Betrachter verleiht dem Gedicht eine fast märchenhafte Qualität. Die Lilien am Ende symbolisieren möglicherweise die Unschuld und Reinheit des Mädchens, die selbst der Tod nicht zu zerstören vermag. Die Struktur des Gedichts mit seinen drei Strophen und dem Reimschema verleiht ihm einen rhythmischen und harmonischen Charakter, der die Schönheit des Mädchens unterstreicht. Hebbel nutzt die Personifikation des Todes, um die Macht der Schönheit und Unschuld zu betonen, die selbst den Tod in Erstaunen versetzen kann. Das Gedicht ist somit eine Hommage an die Reinheit und Schönheit des Mädchens, die den Tod überwindet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Daß die Rosen drauf vergingen
- Metapher
- mit beschämten Blicken
- Personifikation
- Auch die Lilien noch zu knicken, / Zitterte selbst ihm die Hand