Auf die gelehrten Frauenzimmer
1727Madrigal.
Ihr Männer bildet euch nicht ein, Als ob Vernunft, Verstand, Gelehrsamkeit und aufgeklärter Sinn Solt euer Eigenthum und Erbrecht seyn; Nein! warlich, der das Firmament gesetzt, Der hat das Frauen-Volk nichts minder hoch geschätzt: Und ihnen auch Verstand und Witz verliehen. Es soll wie ihr, des hohen Geistes Gaben, Auch im Besitze haben. Drum muß ihr Lorber-Zweig, so wie der eure blühen. Zörnet, tobet, lästert, neidet immerhin, Ihr werdt es doch nicht hindern können, Ihr solt und müßt denselben doch die Ehre gönnen! Drum bildet euch ihr Männer ja nichts ein!
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Interpretation
Das Gedicht "Auf die gelehrten Frauenzimmer" von Sidonia Hedwig Zäunemann ist ein Madrigal, das sich mit der Gleichberechtigung von Frauen im Bereich der Bildung und des Intellekts auseinandersetzt. Die Autorin fordert die Männer auf, sich nicht einzubilden, dass Vernunft, Verstand, Gelehrsamkeit und aufgeklärter Sinn ihr alleiniges Eigentum und Erbe seien. Sie argumentiert, dass der Schöpfer des Firmaments die Frauen ebenso hoch geschätzt und ihnen ebenfalls Verstand und Witz verliehen habe. Daher sollten auch die Frauen in den Genuss der Gaben des hohen Geistes kommen und ihren Lorbeerzweig zum Blühen bringen können. Die Autorin betont, dass die Männer, trotz ihres Zorns, Tobens, Lästerns und Neids, die Frauen nicht daran hindern können, ihre Leistungen zu erbringen und Anerkennung zu erhalten. Sie fordert die Männer auf, den Frauen die Ehre zu gönnen, die ihnen zusteht. Das Gedicht ist eine mutige und progressive Aussage für die damalige Zeit, in der Frauen oft benachteiligt und von der Bildung ausgeschlossen waren. Insgesamt ist "Auf die gelehrten Frauenzimmer" ein eindringliches Plädoyer für die Gleichberechtigung von Frauen im Bereich des Intellekts und der Bildung. Die Autorin nutzt ihre poetische Stimme, um gesellschaftliche Normen und Vorurteile zu hinterfragen und für eine gerechtere Zukunft einzutreten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Als ob Vernunft, Verstand, Gelehrsamkeit und aufgeklärter Sinn
- Metapher
- Lorber-Zweig
- Personifikation
- Firmament gesetzt
- Rhetorische Frage
- Ihr Männer bildet euch nicht ein
- Wiederholung
- Ihr Männer bildet euch nicht ein