Auf der Wanderung in Worms
unknownAn Friedrich Freiherrn de la Motte Fouqué.
Wo blüht der Rosengarten? Wo weilt die süße Maid? Ich bin ihr aufzuwarten, In Ehren hier bereit.
Die Rosen sind gebrochen Vor einem rauhen Wind; Der Hagen hat erstochen Das Sigelindenkind.
Der Siegfried lag erschlagen In Wunden blutig roth; Da klangen bittre Klagen, Da scholl Chriemhildens Noth.
Chriemhilde, Grimme, Holde, Das war ein böser Dank, Dein Schatz von rothem Golde, Von süßer Huld versank.
Gen Worms will ich mich wenden. Zur Stadt am grünen Strom, Da prangt von Meisterhänden Der alte heil′ge Dom.
Ich hörte viel vom alten Untadligen Geschlecht; Die Kämmerer verwalten Hier wol das deutsche Recht.
Habt ihr es nicht vernommen, Der Kaiser ist euch nah′? Der Kaiser Franz wird kommen, Und ist kein Dalberg da?
Wie fern hast du gesäumet, O Wandersmann, wie weit? Beim Heldenlied verträumet Hast du das jüngste Leid.
Des Hagens böse Thaten Erlebten wir aufs Neu′, Vom Dalberg ward verrathen Des Stammes Ruhm und Treu.
Und was noch ist geblieben Von deutscher Heldenlust? Zum Dienen und zum Lieben, Was blieb der deutschen Brust?
Die Geister und die Sagen, Der alten Tage Zier, Die kann kein Feind erschlagen, Sie weilen ewig hier.
Auch fließet noch zur Stunde Der alte Rhein vorbei, Der blieb dem Heldenbunde, Den Heldenzeiten treu.
O sammelt euch, ihr Brüder, Um diesen heil′gen Ort, Erklingen soll hier wieder Ein gutes deutsches Wort!
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Interpretation
Das Gedicht "Auf der Wanderung in Worms" von Max von Schenkendorf ist eine tiefgründige Reflexion über deutsche Geschichte, Kultur und Identität. Es beginnt mit einer Anspielung auf die Nibelungensage und die tragische Geschichte von Siegfried und Kriemhild, die in Worms spielt. Der Dichter nutzt diese mythischen Figuren, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen und die Bedeutung von Worms als historischer und kultureller Ort zu betonen. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich Schenkendorf direkt an Friedrich de la Motte Fouqué, einen zeitgenössischen Schriftsteller und Dichter. Er drückt seine Enttäuschung über die gegenwärtige Situation aus, insbesondere über die vermeintliche Untreue und den Verrat von Dalberg. Diese Kritik bezieht sich auf die politischen Umstände der Zeit, insbesondere auf die Napoleonischen Kriege und deren Auswirkungen auf Deutschland. Der Dichter fordert seine Zeitgenossen auf, sich an die heroischen Taten der Vergangenheit zu erinnern und die deutschen Werte von Dienst und Liebe zu bewahren. Im letzten Teil des Gedichts betont Schenkendorf die Unvergänglichkeit der deutschen Kultur und Traditionen. Er verweist auf die Geister und Sagen der alten Tage, die trotz aller Feinde weiterleben. Der Rhein, als Symbol der deutschen Identität, bleibt den Helden und ihrer Zeit treu. Der Dichter ruft seine Brüder dazu auf, sich um den heiligen Ort Worms zu versammeln und ein gutes deutsches Wort erklingen zu lassen. Dies ist ein Aufruf zur Einheit und zur Wiederbelebung des deutschen Geistes in einer Zeit der Not und des Umbruchs.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Wiederholung von Konsonanten, wie in 'blüht der Rosengarten' und 'süße Maid'.
- Anapher
- Die Wiederholung von 'Wo' am Anfang der ersten beiden Zeilen zur Betonung der Suche.
- Anspielung
- Die Bezüge auf die Nibelungensage, einschließlich Figuren wie Hagen, Siegfried, Kriemhild und Orte wie Worms.
- Enjambement
- Der Gedankenfluss über Zeilen hinweg, wie in 'Die Geister und die Sagen, Der alten Tage Zier,'
- Epipher
- Die Wiederholung von 'treu' am Ende der Zeilen zur Betonung der Treue.
- Hyperbel
- Die Übertreibung in 'Des Hagens böse Thaten' zur Betonung der Schwere der Taten.
- Kontrast
- Der Gegensatz zwischen der idyllischen Vergangenheit und der 'bitteren Klage' der Gegenwart.
- Metapher
- Die 'Rosen sind gebrochen' als Metapher für den Verlust der Unschuld und Schönheit.
- Parallelismus
- Die strukturelle Ähnlichkeit in 'Des Hagens böse Thaten Erlebten wir aufs Neu' und 'Vom Dalberg ward verrathen'
- Personifikation
- Der Rhein, der 'treu' bleibt, als ob er ein treuer Gefährte wäre.
- Rhetorische Frage
- Die Fragen wie 'Habt ihr es nicht vernommen, Der Kaiser ist euch nah?'
- Symbolik
- Der 'alte heil'ge Dom' als Symbol für Tradition und Beständigkeit.