Auf der Straßenbahn

Gerrit Engelke

1890

Wie der Wagen durch die Kurve biegt, Wie die blanke Schienenstrecke vor ihm liegt: Walzt er stärker, schneller.

Die Motore unterm Boden rattern, Von den Leitungsdrähten knattern Funken.

Scharf vorüber an Laternen, Frauenmoden, Bild an Bild, Ladenschild, Pferdetritt, Menschenschritt – Schütternd walzt und wiegt der Wagenboden, Meine Sinne walzen, wiegen mit!: Voller Strom! Voller Strom!

Der ganze Wagen, mit den Menschen drinnen, Saust und summt und singt mit meinen Sinnen. Das Wagensingen sausebraust, es schwillt! Plötzlich schrillt Die Klingel! – Der Stromgesang ist aus – Ich steige aus – Weiter walzt der Wagen.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Auf der Straßenbahn

Interpretation

Das Gedicht "Auf der Straßenbahn" von Gerrit Engelke beschreibt eine dynamische Fahrt durch die Stadt, bei der der Erzähler tief in die sinnlichen Erfahrungen des Straßenbahnfahrens eintaucht. Die rhythmischen Beschreibungen der Bewegung, der Geräusche und der vorbeiziehenden Bilder vermitteln ein Gefühl von Geschwindigkeit und Energie, das den Erzähler in seinen Bann zieht. Die Straßenbahn wird zum Symbol für die moderne, pulsierende Stadt, die den Einzelnen mitreißt und seine Sinne schärft. Engelkes Sprache ist geprägt von Wiederholungen und rhythmischen Mustern, die die Bewegung der Straßenbahn nachahmen. Die "walzenden" und "schüttelnden" Bewegungen des Wagens spiegeln sich in den Walzungen und Wiegen der Sinne des Erzählers wider. Der "Voller Strom! Voller Strom!"-Ruf unterstreicht die Intensität der Erfahrung und die Verbindung des Erzählers zur modernen Technik und zum urbanen Leben. Der Höhepunkt des Gedichts wird durch das plötzliche Erklingen der Klingel erreicht, das den "Stromgesang" abrupt beendet. Dieses Moment symbolisiert die Vergänglichkeit der intensiven Erfahrung und den abrupten Übergang zurück zur Realität. Der Erzähler steigt aus, während die Straßenbahn weiterwalzt, was die fortwährende Bewegung der Stadt und des Lebens betont, auch wenn der Einzelne aussteigt. Das Gedicht fängt somit die flüchtige, aber intensive Verbindung zwischen Mensch und moderner urbaner Umgebung ein.

Schlüsselwörter

wagen walzt bild voller strom kurve biegt blanke

Wortwolke

Wortwolke zu Auf der Straßenbahn

Stilmittel

Alliteration
Scharf vorüber an Laternen, Frauenmoden
Metapher
Das Wagensingen sausebraust
Onomatopoesie
schrillt
Personifikation
Die Klingel! –
Wiederholung
walzen, wiegen