Auf der Reise
1804Zwischen süßem Schmerz, Zwischen dumpfen Wohlbehagen Sitz′ ich nächtlich in dem Reisewagen, Lasse mich so weit von dir, mein Herz, Weit und immer weiter tragen.
Schweigend sitz′ ich und allein, Ich wiege mich in bunten Träumen, Das muntre Posthorn klingt darein, Es tanzt der liebe Mondenschein Nach diesem Ton auf Quellen und auf Bäumen, Sogar zu mir durchs enge Fensterlein.
Ich wünsche mir nun dies und das. O könnt′ ich jetzo durch ein Zauberglas Ins Goldgewebe deines Traumes blicken! Vielleicht dann säh′ ich wieder mit Entzücken Dich in der Laube wohlbekannt. Ich sähe Genovevens Hand Auf deiner Schulter traulich liegen, Am Ende säh′ ich selber mich, Halb keck und halb bescheidentlich, An deine holde Wange schmiegen.
Doch nein! wie dürft′ ich auch nur hoffen, Daß jetzt mein Schatten bei dir sei! Ach, stünden deine Träume für mich offen, Du winktest wohl auch wachend mich herbei!
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Interpretation
Das Gedicht "Auf der Reise" von Eduard Mörike handelt von einem Reisenden, der zwischen süßem Schmerz und dumpfem Wohlbehagen sitzt und sich von seinem Herzen weit tragen lässt. Die nächtliche Reise wird als eine Art Traumreise beschrieben, bei der sich der Reisende in bunten Träumen wiegt und das muntere Posthorn sowie der Mondenschein eine tanzende Atmosphäre schaffen. Der Reisende wünscht sich, in das Traumgewebe seiner Geliebten blicken zu können, um sie vielleicht wieder in einer Laube zu sehen. Er stellt sich vor, wie Genoveven's Hand auf ihrer Schulter liegt und er selbst sich an ihre Wange schmiegt. Doch dann folgt eine Ernüchterung, da er sich fragt, wie er es wagen kann, zu hoffen, dass sein Schatten bei ihr sein könnte. Er wünscht sich, dass ihre Träume für ihn offenstehen würden, damit sie ihn auch im Wachzustand herbeiwinken könnte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- An deine holde Wange schmiegen
- Metapher
- Deine Träume für mich offen
- Personifikation
- Es tanzt der liebe Mondenschein