Auf der Eisenbahn
1831Jetzt schnaube nur, Dampf, und brause! Jetzt rolle nur, Rad, und sause! Es geht nach Hause, nach Hause!
Du kannst nicht jagen, o Wagen, Wie meine Pulse mir schlagen! Zur Geliebten sollst du mich tragen.
Vorüber, ihr ragenden Stangen! Verschwindet, ihr Meilen, ihr langen! Wer ahnt mein Verlangen und Bangen!
Auf den Bänken wie sie sich dehnen! Wie sie schwatzen und gaffen und gähnen! Es ist nichts, wonach sie sich sehnen.
Dort raset der Sturm durch die Tannen. Zum Dampfe noch möcht’ ich ihn spannen, Daß er rascher mich reiße von dannen!
Hinweg aus dem plappernden Schwarme, O, hin an die Brust, an die warme, In die offnen, die liebenden Arme!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Auf der Eisenbahn" von Friedrich Theodor Vischer thematisiert die Sehnsucht und Ungeduld des lyrischen Ichs, das auf einer Zugfahrt zu seiner Geliebten unterwegs ist. Die Fahrt wird als zu langsam empfunden, und das Ich vergleicht die Geschwindigkeit des Zuges mit dem Pochen seiner eigenen Pulse, die voller Erwartung und Sehnsucht rasen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Gleichgültigkeit der anderen Fahrgäste hervorgehoben. Während das lyrische Ich voller Ungeduld und Sehnsucht ist, dehnen sich die Mitreisenden auf den Bänken, schwatzen, gaffen und gähnen. Sie haben nichts, wonach sie sich sehnen, im Gegensatz zu dem Ich, das ungeduldig auf das Wiedersehen mit seiner Geliebten wartet. Das Gedicht endet mit dem Wunsch des lyrischen Ichs, dem "plappernden Schwarm" der gleichgültigen Mitreisenden zu entkommen und so schnell wie möglich bei seiner Geliebten zu sein. Der Sturm durch die Tannen wird als Metapher für die eigene Ungeduld und das Verlangen verwendet, das Ich möchte den Sturm "spannen", um schneller von dannen zu reißen und in die "liebenden Arme" seiner Geliebten zu gelangen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Jetzt schnaube nur, Dampf, und brause! Jetzt rolle nur, Rad, und sause!
- Apostroph
- Vorüber, ihr ragenden Stangen! Verschwindet, ihr Meilen, ihr langen!
- Hyperbel
- Zum Dampfe noch möcht' ich ihn spannen, Daß er rascher mich reiße von dannen!
- Metapher
- Du kannst nicht jagen, o Wagen, Wie meine Pulse mir schlagen!
- Personifikation
- Jetzt schnaube nur, Dampf, und brause! Jetzt rolle nur, Rad, und sause!