Auf den neuern Teil dieser Sinngedichte

Gotthold Ephraim Lessing

1729

Ins zweimal neunte Jahr, mit stummer Ungeduld, Bewahrt′, auf Besserung, sie mein verschwiegnes Pult. Was sie nun besser sind, das läßt sich leicht ermessen: Mein Pult bewahrte sie; ich hatte sie vergessen.

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Interpretation

Das Gedicht "Auf den neuern Teil dieser Sinngedichte" von Gotthold Ephraim Lessing handelt von der geduldigen Aufbewahrung seiner Sinngedichte durch sein Pult über einen Zeitraum von achtzehn Jahren. Das Pult bewahrte die Gedichte in der Hoffnung auf eine Verbesserung, während Lessing selbst sie vergessen hatte. Im ersten Vers wird die lange Zeit der Aufbewahrung betont, die das Pult mit "stummer Ungeduld" verbrachte. Das Pult wartete darauf, dass Lessing seine Sinngedichte überarbeiten und verbessern würde. Doch Lessing vergaß offenbar seine eigenen Werke, während das Pult treu seine Pflicht erfüllte. Der letzte Vers enthält eine ironische Wendung: Lessing stellt fest, dass die Gedichte nun tatsächlich besser geworden sind, aber nicht durch seine eigene Überarbeitung, sondern allein durch die Tatsache, dass das Pult sie bewahrte. Die Gedichte haben durch die Zeit und die geduldige Aufbewahrung an Wert gewonnen, während Lessing selbst sie vernachlässigte. Das Gedicht zeugt von Lessings selbstironischem Humor und seiner Fähigkeit, auch über sich selbst zu lachen.

Schlüsselwörter

pult zweimal neunte jahr stummer ungeduld bewahrt besserung

Wortwolke

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Stilmittel

Ironie
Mein Pult bewahrte sie; ich hatte sie vergessen
Metapher
mit stummer Ungeduld
Personifikation
sie mein verschwiegnes Pult