Auf den Flügeln des Gesanges...

Heinrich Heine

1827

Auf den Flügeln des Gesanges, Herzliebchen, trag′ ich dich fort, Fort nach den Fluren des Ganges, Dort weiß ich den schönsten Ort.

Dort liegt ein rotblühender Garten Im stillen Mondenschein; Die Lotosblumen erwarten Ihr trautes Schwesterlein.

Die Veilchen kichern und kosen Und schaun nach den Sternen empor; Heimlich erzählen die Rosen Sich duftende Märchen ins Ohr.

Es hüpfen herbei und lauschen Die frommen und klugen Gazellen; Und in der Ferne rauschen Des heiligen Stromes Wellen.

Dort wollen wir niedersinken Unter den Palmenbaum, Und Lieb′ und Ruhe trinken Und träumen den seligen Traum.

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Illustration zu Auf den Flügeln des Gesanges...

Interpretation

Das Gedicht "Auf den Flügeln des Gesanges" von Heinrich Heine beschreibt eine traumhafte Reise ins ferne Indien, genauer gesagt an den Ganges. Der lyrische Ich-Erzähler lädt sein Herzliebchen ein, mit ihm auf den Flügeln des Gesanges zu fliegen und einen idyllischen Ort zu besuchen. Dieser Ort wird als ein ruhiger, mondbeleuchteter Garten mit roten Blüten und Lotosblumen beschrieben, der von einer friedlichen und romantischen Atmosphäre erfüllt ist. Die zweite Strophe malt ein lebendiges Bild der nächtlichen Szenerie. Die Veilchen kichern und kosen, während sie zu den Sternen aufsehen. Die Rosen erzählen sich gegenseitig duftende Märchen ins Ohr, was die sinnliche und verzauberte Natur der Umgebung betont. Die Gazellen, als "fromm und klug" beschrieben, hüpfen herbei und lauschen, was die Harmonie zwischen den Tieren und der Umgebung unterstreicht. In der Ferne rauschen die Wellen des heiligen Stromes, was die spirituelle Dimension der Landschaft verstärkt. Im letzten Teil des Gedichts wird der Wunsch des lyrischen Ichs deutlich, mit seinem Liebsten an diesem Ort der Ruhe und Schönheit zu verweilen. Unter dem Palmenbaum wollen sie sich niederlassen, Liebe und Ruhe trinken und den "seligen Traum" träumen. Dieser Traum symbolisiert die Sehnsucht nach einer perfekten, ungestörten Zweisamkeit und einem Zustand vollkommener Glückseligkeit, der durch die idyllische Natur des Ganges-Gartens ermöglicht wird.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Herzliebchen, trag′ ich dich fort
Bildsprache
Dort liegt ein rotblühender Garten Im stillen Mondenschein
Hyperbel
Dort weiß ich den schönsten Ort
Metapher
Auf den Flügeln des Gesanges
Personifikation
Erzählen die Rosen Sich duftende Märchen ins Ohr
Symbolik
Des heiligen Stromes Wellen