Auf dem See

Johann Wolfgang von Goethe

1775

Und frische Nahrung, neues Blut Saug′ ich aus freier Welt; Wie ist Natur so hold und gut, Die mich am Busen hält! Die Welle wieget unsern Kahn Im Rudertakt hinauf, Und Berge, wolkig himmelan, Begegnen unserm Lauf.

Aug′, mein Aug′, was sinkst du nieder? Goldne Träume, kommt ihr wieder? Weg, du Traum! so Gold du bist; Hier auch Lieb′ und Leben ist.

Auf der Welle blinken Tausend schwebende Sterne, Weiche Nebel trinken Rings die türmende Ferne; Morgenwind umflügelt Die beschattete Bucht, Und im See bespiegelt Sich die reifende Frucht.

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Illustration zu Auf dem See

Interpretation

Das Gedicht "Auf dem See" von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt eine Bootsfahrt auf einem See, bei der der Erzähler die Schönheit der Natur und das Gefühl der Freiheit genießt. Die erste Strophe vermittelt die Freude und Erfrischung, die der Erzähler aus der freien Natur zieht, die ihn an ihrem Busen hält. Die zweite Strophe beschreibt die Fahrt auf dem See, bei der das Boot im Rhythmus der Ruder wiegt und die Berge in der Ferne zu schweben scheinen. In der dritten Strophe wendet sich der Erzähler an sein Auge, das in die Tiefe zu sinken scheint, und fragt, ob die goldenen Träume wiederkehren werden. Er weist den Traum zurück, da auch hier Liebe und Leben vorhanden sind. Die vierte Strophe malt ein idyllisches Bild der nächtlichen See, auf der tausend schwebende Sterne im Wasser glitzern. Weiche Nebel trinken die Ferne, ein Morgenwind umflügelt die beschattete Bucht, und die reifende Frucht spiegelt sich im See. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl von Harmonie und Einheit mit der Natur, das den Erzähler in einen Zustand der Glückseligkeit und der Versunkenheit versetzt. Die Natur wird als Quelle der Erfrischung und Inspiration dargestellt, die den Menschen aus dem Alltag erlöst und ihm neue Kraft gibt.

Schlüsselwörter

welle aug frische nahrung neues blut saug freier

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Stilmittel

Anapher
Aug′, mein Aug′, was sinkst du nieder? Goldne Träume, kommt ihr wieder?
Bildsprache
Weiche Nebel trinken Rings die türmende Ferne
Hyperbel
Tausend schwebende Sterne
Metapher
Natur so hold und gut, Die mich am Busen hält
Personifikation
Die Welle wieget unsern Kahn