Auf dem Markusplatze

Ada Christen

unknown

Ich kann\′s nicht schauen, dieses träge Leben, Mir graut ob dieser müssigen Gestalten, Die lässig spielen mit des Mantels Falten Und marionettenhaft die Glieder heben.

Oft zuckt es auf in ihres Blicks Umnachtung, Es flackert dann ein sinnlich-weiches Lachen Um ihren Mund, als wollten sie erwachen Aus ihrer unbewußten Selbstverachtung.

Mir ist zu Muthe oft, als zögen Leichen, Die künstlich nur in\′s Leben rückgerufen, An mir vorbei, hinab die Marmorstufen, Um wieder in die Grüfte zu entweichen.

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Illustration zu Auf dem Markusplatze

Interpretation

Das Gedicht "Auf dem Markusplatze" von Ada Christen beschreibt die Beobachtung einer Person, die das träge und müssige Leben auf einem öffentlichen Platz, wahrscheinlich dem Markusplatz in Venedig, als abstoßend empfindet. Die Gestaltung der Passanten wird mit Marionetten verglichen, die lässig und ohne wirkliche Lebendigkeit ihre Bewegungen ausführen. Die Beobachterin empfindet eine Art Grauen vor diesen Menschen, die scheinbar ohne Ziel und Bewusstsein durch ihr Leben gehen. Die zweite Strophe vertieft diesen Eindruck, indem sie auf die Augen der Passanten eingeht, die von einer Art "Umnachtung" erfüllt sind. Gelegentlich blitzt ein sinnlich-weiches Lachen auf, das jedoch nicht als Zeichen von Freude oder Erwachen, sondern als Ausdruck von unbewusster Selbstverachtung interpretiert wird. Die Beobachterin hat das Gefühl, dass diese Menschen sich selbst verachten, ohne es zu realisieren, und dass ihr Leben eine Art leere Hülle ist. In der dritten Strophe erreicht die Beschreibung ihren Höhepunkt, indem die Passanten mit Toten verglichen werden, die künstlich ins Leben zurückgerufen wurden. Sie ziehen an der Beobachterin vorbei, als wären sie auf dem Weg in ihr Grab, um wieder in die Grüfte zu entweichen. Dieser Vergleich unterstreicht die Vorstellung, dass das Leben auf dem Platz eine Art Scheinleben ist, das an wahrer Lebendigkeit und Bedeutung mangelt. Die Beobachterin empfindet eine tiefe Abneigung gegen diese Art des Daseins und sehnt sich nach etwas, das über diese oberflächliche Existenz hinausgeht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Lässig spielen mit des Mantels Falten
Bildlichkeit
Um wieder in die Grüfte zu entweichen
Enjambement
Ich kann's nicht schauen, dieses träge Leben, Mir graut ob dieser müssigen Gestalten
Hyperbel
als zögen Leichen
Metapher
diese träge Leben
Personifikation
sinnlich-weiches Lachen
Symbolik
Marmorstufen
Vergleich
marionettenhaft die Glieder heben