Auf dem Libanon
1897O führte nie das Segel mich davon! Und daß ich, wie die jüngst verträumten Nächte, Der andern viele, heil′ger Libanon, Sanft unter deinen Cedern noch verbrächte!
Kein Dunst umfing der klaren Luft Krystall; Ein reinres Licht war durch sie hingequollen; Ich fühlte unter mir den Erdenball Entgegen einem schönern Morgen rollen.
Schon schien des neuen Tages Dämmerung Um deine Patriarchenstirn zu gleiten; Selbst ward ich mit der Erde wieder jung Und lebte in den Wundern grauer Zeiten.
Vor mir, wie Stimmen aus der frühen Welt, Scholl es empor vom Grunde der Cisterne, Und hoch herab vom blauen Himmelszelt Erzählten goldne Märchen mir die Sterne.
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Interpretation
Das Gedicht "Auf dem Libanon" von Adolf Friedrich Graf von Schack handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach der idyllischen Schönheit und der spirituellen Erhabenheit des Libanon-Gebirges. Der Sprecher wünscht sich, nie von diesem Ort weggeführt worden zu sein und stattdessen unter den heiligen Cedern des Libanon zu verweilen, wie er es in seinen jüngsten Träumen getan hat. Die zweite Strophe beschreibt die kristallklare Luft und das reine Licht, das den Sprecher umgibt. Er fühlt sich mit der Erde verbunden und erlebt einen schöneren Morgen, als er es je zuvor getan hat. Die Atmosphäre ist von einer fast mystischen Qualität, die den Sprecher in eine andere Welt zu versetzen scheint. In der dritten Strophe wird die Dämmerung des neuen Tages mit der Stirn eines Patriarchen verglichen, was die Weisheit und Erhabenheit der Szenerie unterstreicht. Der Sprecher selbst fühlt sich mit der Erde jung und lebendig und taucht ein in die Wunder vergangener Zeiten. Die letzten beiden Zeilen beschreiben, wie Stimmen aus der Frühzeit der Welt aus einer Zisterne aufsteigen und wie die Sterne goldene Märchen vom Himmel erzählen. Dies verleiht dem Gedicht eine traumhafte, fast märchenhafte Qualität, die die spirituelle und emotionale Verbindung des Sprechers zum Libanon unterstreicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Selbst ward ich mit der Erde wieder jung
- Anapher
- O führte nie das Segel mich davon! Und daß ich, wie die jüngst verträumten Nächte, Der andern viele, heil′ger Libanon, Sanft unter deinen Cedern noch verbrächte!
- Bildlichkeit
- Vor mir, wie Stimmen aus der frühen Welt, Scholl es empor vom Grunde der Cisterne, Und hoch herab vom blauen Himmelszelt Erzählten goldne Märchen mir die Sterne.
- Hyperbel
- Selbst ward ich mit der Erde wieder jung Und lebte in den Wundern grauer Zeiten.
- Metapher
- Ich fühlte unter mir den Erdenball Entgegen einem schönern Morgen rollen.
- Personifikation
- Schon schien des neuen Tages Dämmerung Um deine Patriarchenstirn zu gleiten;
- Synästhesie
- Kein Dunst umfing der klaren Luft Krystall; Ein reinres Licht war durch sie hingequollen;