Auf dem Flusse

Wilhelm Müller

1810

Der du so lustig rauschtest, Du heller, wilder Fluß, Wie still bist du geworden, Gibst keinen Scheidegruß.

Mit harter, starrer Rinde Hast du dich überdeckt, Liegst kalt und unbeweglich Im Sande ausgestreckt.

In deine Decke grab′ ich Mit einem spitzen Stein Den Namen meiner Liebsten Und Stund′ und Tag hinein:

Den Tag des ersten Grußes, Den Tag, an dem ich ging; Um Nam′ und Zahlen windet Sich ein zerbroch′ner Ring.

Mein Herz, in diesem Bache Erkennst du nun dein Bild? Ob′s unter seiner Rinde Wohl auch so reißend schwillt?

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Illustration zu Auf dem Flusse

Interpretation

Das Gedicht "Auf dem Flusse" von Wilhelm Müller beschreibt die Veränderung eines Flusses, der einst lebhaft und rauschend war, nun aber still und gefroren daliegt. Der Fluss symbolisiert die Gefühle des lyrischen Ichs, das einst lebendig und voller Energie war, nun aber durch die Trennung von der Geliebten erstarren musste. Der Fluss, der einst ein Symbol für Lebendigkeit und Freiheit war, wird zur Metapher für die innere Starre und Kälte des lyrischen Ichs. Das lyrische Ich versucht, seine Liebe und die Erinnerung an die Geliebte in den gefrorenen Fluss zu ritzen, indem es ihren Namen und die bedeutungsvollen Daten in die Eisdecke gräbt. Diese Handlung symbolisiert den Versuch, die Vergangenheit und die damit verbundenen Emotionen festzuhalten und zu bewahren. Der "zerbrochene Ring" deutet auf eine zerbrochene Beziehung hin und unterstreicht das Thema der unerfüllten Liebe und des Verlustes. Im letzten Vers stellt das lyrische Ich die Frage, ob auch sein Herz unter seiner äußeren Starre noch so leidenschaftlich und ungestüm schlägt wie der Fluss einst unter seiner Eisdecke. Diese Frage spiegelt die innere Zerrissenheit und das Verlangen nach emotionaler Befreiung wider. Das Gedicht endet mit einer offenen Frage, die den Leser zum Nachdenken über die Tiefe der Gefühle und die Möglichkeit der inneren Erneuerung anregt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Liegst kalt und unbeweglich Im Sande ausgestreckt
Frage
Mein Herz, in diesem Bache Erkennst du nun dein Bild?
Kontrast
Wie still bist du geworden, Gibst keinen Scheidegruß
Metapher
Ob′s unter seiner Rinde Wohl auch so reißend schwillt?
Personifikation
Der du so lustig rauschtest, Du heller, wilder Fluß
Symbolik
Den Tag des ersten Grußes, Den Tag, an dem ich ging