Auf dem Canal grande
1882Auf dem Canal grande betten Tief sich ein die Abendschatten, Hundert dunkle Gondeln gleiten Als ein flüsterndes Geheimnis.
Aber zwischen zwei Palästen Glüht herein die Abendsonne, Flammend wirft sie einen grellen Breiten Streifen auf die Gondeln.
In dem purpurroten Lichte Laute Stimmen, hell Gelächter, Überredende Gebärden Und das frevle Spiel der Augen.
Eine kurze, kleine Strecke Treibt das Leben leidenschaftlich Und erlischt im Schatten drüben Als ein unverständlich Murmeln.
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Interpretation
Das Gedicht "Auf dem Canal grande" von Conrad Ferdinand Meyer schildert eine stimmungsvolle Szene auf dem berühmten venezianischen Kanal. Der Dichter beschreibt den Übergang vom Tag zur Nacht, wobei die Abendsonne zwischen zwei Palästen einen leuchtenden Streifen auf die dahingleitenden Gondeln wirft. Diese Bilder erzeugen eine malerische und zugleich geheimnisvolle Atmosphäre, die typisch für die Stadt Venedig ist. In der Mitte des Gedichts fokussiert sich Meyer auf das lebendige Treiben in dem purpurroten Licht der untergehenden Sonne. Hier werden lebhafte Stimmen, helles Gelächter und überredende Gebärden beschrieben, was auf ein geselliges und möglicherweise auch flirtendes Beisammensein hindeutet. Der Dichter verwendet dabei eine sehr sinnliche Sprache, die den Leser die Szene fast körperlich erleben lässt. Der letzte Teil des Gedichts beschreibt das Erlöschen dieses lebhaften Treibens im Schatten auf der gegenüberliegenden Seite des Kanals. Das Leben wird als "leidenschaftlich" charakterisiert, aber auch als etwas, das "verlöschen" und in "unverständliches Murmeln" übergehen kann. Dies könnte als Metapher für die Vergänglichkeit des Lebens und die Unergründlichkeit menschlicher Erfahrungen interpretiert werden. Das Gedicht endet somit mit einer Reflexion über die flüchtige Natur der Existenz und die Rätselhaftigkeit des Lebens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- [Auf dem Canal grande betten tief sich ein die Abendschatten In dem purpurroten Lichte laute Stimmen, hell Gelächter Überredende Gebärden und das frevle Spiel der Augen]
- Kontrast
- [Aber zwischen zwei Palästen glüht herein die Abendsonne Eine kurze, kleine Strecke treibt das Leben leidenschaftlich und erlischt im Schatten drüben]
- Metapher
- [Hundert dunkle Gondeln gleiten als ein flüsterndes Geheimnis treibt das Leben leidenschaftlich und erlischt im Schatten drüben als ein unverständlich Murmeln]
- Personifikation
- [Die Abendsonne wirft einen grellen Streifen auf die Gondeln]