Auf das verwirrte widerwärtige aussehen

Catharina Regina von Greiffenberg

1662

Mein Gott du bist getreu / wie seltsam es auch scheinet. Wann alles knackt und kracht / wann Blut und muht erliegt / wann selbst das Herz entherzt kein safft noch Krafft mehr kriegt; wann alles man verhaust und aus zu seyn vermeinet; ja wann uns auch gedunkt der Himmel ganz versteinet / daß weder flehn noch bitt ihm etwas mehr ansiegt / hingegen alles sich uns zu betrüben fügt / und sich mit ganzer macht zu unsern Creutz vereinet: so ist bereit die zeit der gnaden-labung hie / die kan so wunderbald das Leid in Freud verwandlen / die pflegt so lieblich süß die schmerzen zu behandlen das man nicht wünschen soll / das sie gewesen nie. Da siht man / daß Gott / nur recht zu erfreuen / kränket. sein Liebessinn auf nichts / als unsre wolfart denket.

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Illustration zu Auf das verwirrte widerwärtige aussehen

Interpretation

Das Gedicht "Auf das verwirrte widerwärtige aussehen" von Catharina Regina von Greiffenberg beschäftigt sich mit der Treue Gottes in Zeiten der Not. Die Autorin beginnt mit der Feststellung, dass Gott getreu ist, auch wenn die äußeren Umstände widersprüchlich erscheinen mögen. Sie beschreibt eine Situation, in der alles zusammenbricht, das Herz keine Kraft mehr hat und der Himmel wie versteinert wirkt. Es scheint, als ob Gott auf keine Gebete oder Bitten mehr reagiert. Trotz dieser scheinbaren Abwesenheit Gottes ist die Autorin überzeugt, dass eine Zeit der Gnade und des Trostes bevorsteht. Sie betont, dass diese Zeit in der Lage ist, Leid in Freude zu verwandeln und die Schmerzen auf eine liebliche und süße Weise zu behandeln. Die Autorin weist darauf hin, dass man diese Zeit nicht als etwas betrachten sollte, das nie existiert hätte, sondern als einen notwendigen Teil des Lebens. Im letzten Teil des Gedichts verdeutlicht die Autorin, dass Gott uns nur deshalb leiden lässt, um uns letztendlich zu erfreuen. Sein liebender Sinn ist ausschließlich darauf ausgerichtet, unser Wohl zu fördern. Die Autorin vermittelt die Botschaft, dass selbst in den dunkelsten Zeiten die Treue Gottes besteht und dass sein Plan letztendlich zum Guten führt.

Schlüsselwörter

wann gott mehr getreu seltsam scheinet knackt kracht

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Stilmittel

Hyperbel
wann selbst das Herz entherzt kein safft noch Krafft mehr kriegt
Metapher
sein Liebessinn auf nichts / als unsre wolfart denket
Paradox
das man nicht wünschen soll / das sie gewesen nie
Personifikation
daß weder flehn noch bitt ihm etwas mehr ansiegt