Auf Capri

Adolf Friedrich Graf von Schack

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Hier mein Leben möcht′ ich verträumen Ueber der Brandung am leuchtenden Meer! Jubelnd in den unendlichen Räumen Schweift auf den Wellen die Seele umher;

Wiegt sich an hallenden Felsengestaden, Wo auf den Klippen die Goldfrucht reift Und, mit Duft der Citronen beladen, Ueber die Flut der Südwind streift;

Schlummert in Grotten und dämmernden Hallen, Taucht in der Wasser verborgensten Schacht, Wo es von Perlen und bunten Korallen Funkelt und blitzt in der purpurnen Nacht.

Wenn im Sturme sich bäumen die Wogen, Tragen sie mich auf dem gleitenden Saum Durch die siebenfarbigen Bogen, Die sich wölben über dem Schaum,

Und zu gähnenden Flutabgründen Stürz′ ich hinunter mit dem Orkan, Bis wo den flammenden Kraterschlünden Brausend entquillt der Ocean.

Wieder dann droben, nahe dem Himmel, Jauchzt die Seele im lichten Azur, Singt mit dem donnernden Wogengetümmel Deine ewige Hymne, Natur!

Und als zerrinnende Welle im Meere, Doch wie du selber unsterblich und groß, Kehr′ ich im Geiste, du Göttliche, Hehre, Heim in deinen allheiligen Schoß!

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Illustration zu Auf Capri

Interpretation

Das Gedicht "Auf Capri" von Adolf Friedrich Graf von Schack ist eine lyrische Hommage an die Insel Capri, die den Dichter in ihren Bann zieht. Die Verse beschreiben eine tiefe Verbundenheit zur Natur und das Verlangen, im Einklang mit ihr zu leben. Die Insel wird als ein Ort der Sehnsucht und des Rückzugs dargestellt, an dem der Dichter sein Leben "verträumen" möchte. Die zweite Strophe malt ein idyllisches Bild der Landschaft Capris, mit ihren leuchtenden Meeren, den hallenden Felsengestaden und den duftenden Zitronen. Die Seele des Dichters schwebt frei über den Wellen und taucht in die verborgenen Tiefen der Grotten ein, wo sie von der Schönheit der Korallen und Perlen fasziniert ist. Die Natur wird als ein Ort der Entdeckung und des Staunens dargestellt. In der dritten Strophe wird die wilde Seite der Natur gezeigt, mit tosenden Wellen und stürmischen Meeren. Der Dichter sehnt sich danach, von den Wellen getragen zu werden und durch die Bogen der Gischt zu gleiten. Er möchte bis zu den tiefsten Abgründen der Flut vordringen und die Kraft des Ozeans spüren. Die Natur wird als eine mächtige und faszinierende Kraft dargestellt, die den Dichter in ihren Bann zieht. Im letzten Teil des Gedichts kehrt der Dichter zur Ruhe zurück und betrachtet die Natur als etwas Göttliches. Er singt eine Hymne an die Natur und fühlt sich eins mit ihr. Die Seele des Dichters wird mit der unsterblichen und großen Natur gleichgesetzt und kehrt in ihren Schoß zurück. Das Gedicht endet mit einer tiefen Verehrung für die Natur und dem Wunsch, eins mit ihr zu sein.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Schweift auf den Wellen die Seele umher
Bildsprache
Singt mit dem donnernden Wogengetümmel
Metapher
Kehr' ich im Geiste, du Göttliche, Hehre, Heim in deinen allheiligen Schoß
Personifikation
Jauchzt die Seele im lichten Azur