Auch über die Thränen
1662Erleuterung der Angst / des Herzens Ringerung der schmerzen Wolkenbruch / der Trauer-Augen Regen ihr Thränen! die ihr seyd / wann sich die Winde legen die Seufzer / da das Herz vor Aengsten schier zersprung!
Ihr seyd recht zwischen Furcht und Trost die dämmerung. Mit sorgen seet man euch auf diesen Unglücks wegen: doch bringt ihr manches mal deß reichen Glückes Segen aus ursach / weil eur Fluß die Himmels Fäst durchdrung.
Deß Himmel-Regens Zweck / ist fruchtbarkeit der Erden da dann der früchte Frucht GOtt wider geben werden Lob′ / Ehre / Preiß und dank / mit worten und gebärden.
Die Thränen / dienen auch / zu wahrer Tugend Zucht erweichen Gottes Herz und bringen freuden Frucht. Durch sie / nimt aus dem Sinn die kummernus die Flucht.
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Interpretation
Das Gedicht "Auch über die Thränen" von Catharina Regina von Greiffenberg thematisiert die tiefe emotionale Zerrissenheit und die innere Ringerei des Herzens in Zeiten der Angst und Trauer. Die Dichterin beschreibt die Tränen als einen "Wolkenbruch" der Trauer-Augen, der entsteht, wenn die Winde der Seufzer sich legen und das Herz vor Ängsten fast zerspringt. Diese Tränen werden als eine Art Dämmerung zwischen Furcht und Trost dargestellt, die zwar aus Unglücksgründen entstehen, aber auch den Segen des reichen Glücks bringen können, da ihr Fluss sogar die Himmelspforten durchdrungen hat. Die Dichterin zieht eine Parallele zwischen dem Himmelsregen, der Fruchtbarkeit auf die Erde bringt, und den Tränen, die ebenfalls eine positive Wirkung haben. So wie der Himmelsregen Gott Frucht, Lob, Ehre, Preis und Dank zurückgeben wird, dienen die Tränen auch der wahren Tugendzucht. Sie erweichen Gottes Herz und bringen freudige Frucht, indem sie die Kümmernis aus dem Sinn vertreiben. Die Tränen werden somit als ein Mittel der Läuterung und der Annäherung an Gott dargestellt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tief religiöse und tröstliche Botschaft. Trotz der anfänglichen Schilderung von Schmerz und Angst, wird deutlich, dass die Tränen eine transformative Kraft besitzen. Sie sind nicht nur ein Ausdruck von Trauer, sondern auch ein Weg zur inneren Reinigung und zur Erlangung göttlicher Gnade. Die Dichterin versteht die Tränen als einen notwendigen Teil des menschlichen Daseins, der letztlich zu spirituellem Wachstum und zu einer tieferen Verbindung mit Gott führt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- wann sich die Winde legen
- Metapher
- Durch sie / nimt aus dem Sinn die kummernus die Flucht
- Personifikation
- ihr Thränen! die ihr seyd