Auch er
1874Rührend schöne Herzgeschichten, Die ihm vor der Seele schweben, Weiß der Dichter zu berichten. Wovon aber soll er leben?
Was er fein zusammenharkte, Sauber eingebundne Werklein, Führt er eben auch zu Markte Wie der Bauer seine Ferklein.
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Interpretation
Das Gedicht "Auch er" von Wilhelm Busch thematisiert die prekäre finanzielle Situation von Dichtern und Künstlern. Der Dichter verfügt über "rührend schöne Herzgeschichten", die er zu berichten weiß, jedoch stellt sich die Frage, wovon er eigentlich leben soll. Seine Werke, fein zusammengetragen und sorgfältig gebunden, werden letztlich wie landwirtschaftliche Produkte auf dem Markt angeboten, vergleichbar mit dem Bauer, der seine Ferkel verkauft. Dies verdeutlicht die Abhängigkeit des Dichters vom Markt und den Verkauf seiner Werke zum Überleben. Die Gegenüberstellung von emotionalen, herzergreifenden Geschichten und der Notwendigkeit, diese zu verkaufen, unterstreicht die Spannung zwischen künstlerischer Schöpfung und wirtschaftlicher Existenzsicherung. Der Dichter ist gezwungen, seine künstlerischen Produkte als Waren zu behandeln, was einen gewissen Widerspruch zur romantischen Vorstellung von der reinen, unbeeinflussten Kunst darstellt. Die Verwendung des Vergleichs mit dem Bauern und seinen Ferkeln fügt eine humorvolle, zugleich aber auch ernüchternde Note hinzu, die die oft übersehene Realität des Künstlerdaseins verdeutlicht. Wilhelm Busch kritisiert mit diesem Gedicht die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Künstler arbeiten müssen. Die Notwendigkeit, Kunst zu verkaufen, um zu überleben, kann als Einschränkung der künstlerischen Freiheit und Authentizität verstanden werden. Das Gedicht regt zum Nachdenken über den Wert von Kunst und die Herausforderungen an, denen sich Künstler gegenübersehen, um ihre Leidenschaft mit dem täglichen Überlebenskampf in Einklang zu bringen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Rührend schöne Herzgeschichten
- Metapher
- Sauber eingebundne Werklein
- Rhetorische Frage
- Wovon aber soll er leben?
- Vergleich
- Wie der Bauer seine Ferklein