Athánatoi

Else Lasker-Schüler

1902

Du, ich liebe dich grenzenlos! Über alles Lieben, über alles Hassen! Möchte dich wie einen Edelstein in die Strahlen meiner Seele fassen. Leg’ deine Träume in meinen Schoß, ich ließ ihn mit goldenen Mauern umschließen und ihn mit süßem griechischem Wein und mit dem Oele der Rosen begießen.

O, ich flog nach Dir wie ein Vogel aus, in Wüstenstürmen, in Meereswinden, in meiner Tage Sonnenrot, in meiner Nächte Stern dich zu finden. Du! breite die Kraft deines Willens aus, dass wir über alle Herbste schweben, und Immergrün schlingen wir um den Tod und geben ihm Leben.

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Illustration zu Athánatoi

Interpretation

Das Gedicht "Athánatoi" von Else Lasker-Schüler ist ein leidenschaftliches Liebesgeständnis, das die Grenzen der Liebe übersteigt und sie als etwas Ewiges und Unendliches darstellt. Die Sprecherin preist die Liebe als etwas, das über alles andere, selbst über Hass, erhaben ist. Sie vergleicht die geliebte Person mit einem Edelstein, den sie in die Strahlen ihrer Seele fassen möchte, was die Tiefe und Reinheit ihrer Gefühle unterstreicht. Die Bitte, die Träume des Geliebten in ihren Schoß zu legen, und das anschließende Versprechen, diesen mit goldenen Mauern zu umgeben und mit süßem griechischem Wein und Rosenöl zu begießen, symbolisiert den Wunsch, die Liebe zu schützen, zu nähren und zu veredeln. Die zweite Strophe beschreibt die unermüdliche Suche der Sprecherin nach dem Geliebten. Sie vergleicht sich mit einem Vogel, der in Wüstenstürmen und Meereswinden, in der Helligkeit ihrer Tage und der Sternenpracht ihrer Nächte fliegt, um die geliebte Person zu finden. Dies verdeutlicht die Intensität und den Eifer ihrer Suche, die durch alle Widrigkeiten und über alle Jahreszeiten hinweggeht. Die Aufforderung an den Geliebten, die Kraft seines Willens auszubreiten, damit sie über alle Herbste schweben können, zeigt den Wunsch nach einer Liebe, die unabhängig von Zeit und Vergänglichkeit ist. Im letzten Teil des Gedichts wird das Thema der Unsterblichkeit und des ewigen Lebens durch die Liebe betont. Die Sprecherin und der Geliebte werden als Immergrün beschrieben, das sie um den Tod schlingen und ihm Leben geben. Dies ist eine kraftvolle Metapher für die Fähigkeit der Liebe, den Tod zu überwinden und ewig zu währen. Das Gedicht endet mit einem triumphalen Ausdruck der Liebe, die als etwas Unsterbliches und Unzerstörbares dargestellt wird, das selbst den Tod besiegen kann.

Schlüsselwörter

liebe grenzenlos lieben hassen möchte edelstein strahlen seele

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Stilmittel

Bildsprache
Leg' deine Träume in meinen Schoß, ich ließ ihn mit goldenen Mauern umschließen
Hyperbel
in meiner Tage Sonnenrot, in meiner Nächte Stern dich zu finden
Metapher
Immergrün schlingen wir um den Tod und geben ihm Leben
Personifikation
O, ich flog nach Dir wie ein Vogel aus, in Wüstenstürmen, in Meereswinden
Symbolik
dass wir über alle Herbste schweben