Asmus Teufel
1866Die Pfingstfestglocken klingen, Maigrün ist Feld und Wald, Der bunten Finken Singen Aus allen Zweigen schallt; O Münden, du mußt vergehen, Münden, du vielschöne Stadt, Des Kaisers Fahnen wehen, Der Tilly säuft in Blut sich satt.
Es huben zwölf Kartaunen Wohl an ein schnöd Gebrumm, Bis daß von dem Posaunen Die Mauern fielen um; Ist mancher hingeworden In dieser Nacht der Not, Es ging das große Morden Vom Abend bis zum Morgenrot.
Da war ein Mündener Bürger, Asmus Teufel genannt, Der schrie: “Du papistischer Würger, Dir wird jetzt die Schnauze verbrannt!” Er stopfte mit Hackblei und Nägeln Ein großes Gestücke voll Und rief: “Den welschen Flegeln Der Willkomm schlecht geraten soll.”
Sie kamen angelaufen Mit Mordiogeschrei, Er hielt in den dicksten Haufen, Es ging kein Bröcklein vorbei; Da flogen Arme und Beine In der Luft umher, Das gab ein großes Gegreine, Doch Asmus Teufel lachte sehr.
Sie suchten in allen Gassen Wo er zu finden sei, Sie mußten ihn leben lassen, Er kam gesund vorbei; Zu Göttingen saß er und zechte, Ein helles Lachen sich hub, Als kund ward, wie sich rächte Der Teufel an dem Beelzebub.
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Interpretation
Das Gedicht "Asmus Teufel" von Hermann Löns beschreibt die Belagerung der Stadt Münden während des Dreißigjährigen Krieges. Die erste Strophe setzt die Szene mit den Klängen der Pfingstfestglocken und der idyllischen Frühlingslandschaft, die im krassen Gegensatz zur bevorstehenden Zerstörung und zum Blutvergießen stehen. Die zweite Strophe schildert den Beginn der Belagerung, bei der zwölf Kartaunen (Kanonen) die Mauern der Stadt zum Einsturz bringen. In der folgenden Nacht findet ein großes Morden statt, bei dem viele Menschen ihr Leben verlieren. Die dritte Strophe führt die Hauptfigur ein, Asmus Teufel, einen Bürger von Münden, der sich den katholischen Belagerern widersetzt und mit einer mit Blei und Nägeln gefüllten Kanone auf sie schießt. In der vierten Strophe wird Asmus Teufels mutiger Einsatz beschrieben, bei dem er mit seiner improvisierten Waffe in die dicht gedrängten Reihen der Angreifer feuert und dabei Arme und Beine in die Luft schleudert. Trotz der Suche nach ihm in den Gassen der Stadt überlebt Asmus Teufel und zieht später nach Göttingen, wo er über die Rache des Teufels an Beelzebub lacht, was als Anspielung auf seinen eigenen Triumph über die katholischen Belagerer verstanden werden kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Maigrün ist Feld und Wald
- Bildsprache
- Es ging das große Morden Vom Abend bis zum Morgenrot
- Hyperbel
- Der bunte Finken Singen Aus allen Zweigen schallt
- Ironie
- Der Teufel an dem Beelzebub
- Kontrast
- O Münden, du mußt vergehen, Münden, du vielschöne Stadt
- Metapher
- Des Kaisers Fahnen wehen, Der Tilly säuft in Blut sich satt.
- Personifikation
- Die Pfingstfestglocken klingen
- Symbolik
- Pfingstfestglocken klingen