Arme Leute

Bruno Wille

1860

Bei düstern Heidekiefern Stehn spärlich magre Ähren, Sie saugen an dürrem Sande, Verzweifelnd, sich zu nähren.

Da kauert ein lehmig Häuschen Mit Düngerhaufen und Karren. Kläglich meckert die Ziege, Und struppige Hühnchen scharren.

Aus der Türe humpelt ein krummer Kleinbauer, empor zu spähen Zur bleiern schleichenden Wolke, Zu hungrig krächzenden Krähen.

Nur karge Mitleidszähren Vermag die Wolke zu schenken; Dann schleicht sie trübe weiter, Ohne Kraft, zu tränken.

Selber arm und traurig, Folg ich der weinenden Wolke Und denk an arme Leute Und leide mit meinem Volke.

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Illustration zu Arme Leute

Interpretation

Das Gedicht "Arme Leute" von Bruno Wille beschreibt die harte und trostlose Lebenssituation armer Landbewohner. Die düstere Atmosphäre wird durch die "düsteren Heidekiefern" und die "dürren Ähren" vermittelt, die verzweifelt versuchen, an dem "dürren Sande" zu wachsen. Das karge Leben der Menschen spiegelt sich in dem "lehmigen Häuschen" wider, umgeben von einem "Düngerhaufen" und einem "Karren". Die "kläglich meckernde Ziege" und die "struppigen Hühnchen" unterstreichen die Armut und den Mangel. Die Person des "krummen Kleinbauern" symbolisiert die körperliche und seelische Belastung, die die Armut mit sich bringt. Sein Blick zur "bleiern schleichenden Wolke" und den "hungrig krächzenden Krähen" verdeutlicht die Hoffnungslosigkeit und das ständige Ringen ums Überleben. Die Wolke, die nur "karge Mitleidszähren" spenden kann, steht metaphorisch für die Gleichgültigkeit der Natur und der Gesellschaft gegenüber dem Leid der Armen. Sie zieht weiter, ohne die Kraft zu haben, den Durst der Menschen zu stillen. Der letzte Teil des Gedichts offenbart die Empathie des lyrischen Ichs mit den Armen. Indem es der "weinenden Wolke" folgt und an die "armen Leute" denkt, drückt es Solidarität und Mitgefühl aus. Der Ausdruck "mein Volk" unterstreicht die Verbundenheit des Dichters mit den leidenden Menschen und seinen Wunsch, ihr Schicksal zu teilen. Das Gedicht ist somit eine eindringliche Darstellung der sozialen Ungerechtigkeit und ein Appell an das Mitgefühl und die Solidarität der Gesellschaft.

Schlüsselwörter

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Wortwolke zu Arme Leute

Stilmittel

Alliteration
struppige Hühnchen scharren
Bildsprache
Da kauert ein lehmig Häuschen
Hyperbel
Zu hungrig krächzenden Krähen
Metapher
weinenden Wolke
Onomatopoesie
Kläglich meckert die Ziege
Personifikation
Ohne Kraft, zu tränken
Symbolik
arme Leute