Arie

Anna Louisa Karsch

unbekannt

In Schwiebus 1742

Vergnügte Einsamkeit! du bist die Ruhe, So meine stille Brust sich längst erwählet, Was ich hier unternehm, gedenk und thue, Das wird der Weltcensur nicht aufgestellt; Bin ich gleich stets allein und ganz verborgen, So bleibt mein freier Sinn doch ungekränkt: Ich lebe höchst content und ohne Sorgen, Weil mir die Einsamkeit Vergnügen schenkt.

Es giebt verschiedene Art von Lustbarkeiten, So die galante Welt höchst schätzbar preist; Doch wenn mans überlegt sinds Eitelkeiten, Drum sag ich noch einmal: mein freier Geist Ehrt mit gelaßnem Muth die stillen Stunden, So das Verhängniß mir hier zugezählt, Es wird auch in der That sonst nichts gefunden, Das mehr Vergnügen giebt und mir gefällt.

So magst du denn o Welt, das Eitle loben, Geh mache dir Pläsir wie dirs beliebt, Mir ist die größte Lust noch aufgehoben, Die dort das höchste Gut den Seelen giebt. Ach ich verlache nur das Weltgetümmel, Indem mein Herze sich die Losung setzt: Mein bester Theil mein Schatz ist noch im Himmel, Und hier ist Einsamkeit was mich ergötzt.

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Illustration zu Arie

Interpretation

Das Gedicht "Arie" von Anna Louisa Karsch ist eine Ode an die Einsamkeit und die innere Ruhe, die sie der Dichterin schenkt. In den ersten beiden Strophen beschreibt Karsch die Einsamkeit als eine "vergnügte Einsamkeit", die ihr eine Art von Freiheit und Zufriedenheit gibt. Sie betont, dass sie sich in der Einsamkeit nicht einsam fühlt, sondern vielmehr einen freien Geist bewahrt, der nicht von der "Weltcensur" beeinflusst wird. Die Einsamkeit wird als eine Art von Schutzraum dargestellt, in dem sie ohne Sorgen und in höchster Zufriedenheit leben kann. In der zweiten Strophe vergleicht Karsch die Einsamkeit mit den "Lustbarkeiten" der "galanten Welt", die sie als "Eitelkeiten" abtut. Sie betont, dass die Einsamkeit ihr mehr Vergnügen und Zufriedenheit gibt als alles, was die Welt zu bieten hat. Die Einsamkeit wird als eine Art von höchstem Gut dargestellt, das der Seele gegeben wird. In der dritten Strophe wendet sich Karsch direkt an die Welt und fordert sie auf, das "Eitle" zu loben und sich zu amüsieren, wie es ihr beliebt. Sie betont jedoch, dass ihre größte Lust und ihr höchstes Gut die Einsamkeit ist. Sie verachtet das "Weltgetümmel" und setzt sich die "Losung", dass ihr "bester Theil" und "Schatz" noch im Himmel ist. Die Einsamkeit wird als eine Art von Verbindung zum Himmel und zur Spiritualität dargestellt.

Schlüsselwörter

einsamkeit giebt freier höchst vergnügen welt schwiebus vergnügte

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
Es wird auch in der That sonst nichts gefunden, Das mehr Vergnügen giebt und mir gefällt
Kontrast
Bin ich gleich stets allein und ganz verborgen, So bleibt mein freier Sinn doch ungekränkt
Parallelismus
Ich lebe höchst content und ohne Sorgen, Weil mir die Einsamkeit Vergnügen schenkt
Personifikation
Vergnügte Einsamkeit! du bist die Ruhe
Wiederholung
So magst du denn o Welt, das Eitle loben, Geh mache dir Pläsir wie dirs beliebt