Archibald Douglas

Theodor Fontane

1854

“Ich hab’ es getragen sieben Jahr Und ich kann es nicht tragen mehr, Wo immer die Welt am schönsten war, Da war sie öd’ und leer.

Ich will hintreten vor sein Gesicht In dieser Knechtsgestalt, Er kann meine Bitte versagen nicht, Ich bin ja worden alt.

Und trüg’ er noch den alten Groll, Frisch wie am ersten Tag, So komme, was da kommen soll, Und komme, was da mag.”

Graf Douglas spricht’s. Am Weg ein Stein Lud ihn zu harter Ruh, Er sah in Wald und Feld hinein, Die Augen fielen ihm zu.

Er trug einen Harnisch, rostig und schwer, Darüber ein Pilgerkleid - Da horch, vom Waldrand scholl es her. Wie von Hörnern und Jagdgeleit.

Und Kies und Staub aufwirbelte dicht, Her jagte Meut’ und Mann, Und ehe der Graf sich aufgericht’t, Waren Roß und Reiter heran.

König Jakob saß auf hohem Roß, Graf Douglas grüßte tief, Dem König das Blut in die Wange schoß, Der Douglas aber rief:

“König Jakob, schaue mich gnädig an Und höre mich in Geduld, Was meine Brüder dir angetan, Es war nicht meine Schuld.

Denk nicht an den alten Douglas-Neid, Der trotzig dich bekriegt, Denk lieber an deine Kinderzeit, Wo ich dich auf den Knien gewiegt.

Denk lieber zurück an Stirling-Schloß, Wo ich Spielzeug dir geschnitzt, Dich gehoben auf deines Vaters Roß Und Pfeile dir zugespitzt.

Denk lieber zurück an Linlithgow, An den See und den Vogelherd, Wo ich dich fischen und jagen froh Und schwimmen und springen gelehrt.

O denk an alles, was einsten war, Und sänftige deinen Sinn, Ich hab’ es gebüßet sieben Jahr, Daß ich ein Douglas bin.”

“Ich seh’ dich nicht, Graf Archibald, Ich hör’ deine Stimme nicht, Mir ist, als ob ein Rauschen im Wald Von alten Zeiten spricht.

Mir klingt das Rauschen süß und traut, Ich lausch’ ihm immer noch, Dazwischen aber klingt es laut: Er ist ein Douglas doch.

Ich seh’ dich nicht, ich höre dich nicht, Das ist alles, was ich kann, Ein Douglas vor meinem Angesicht Wär’ ein verlorener Mann.”

König Jakob gab seinem Roß den Sporn, Bergan ging jetzt sein Ritt, Graf Douglas faßte den Zügel vorn Und hielt mit dem Könige Schritt.

Der Weg war steil, und die Sonne stach, Und sein Panzerhemd war schwer, Doch ob er schier zusammenbrach, Er lief doch nebenher.

“König Jakob, ich war dein Seneschall, Ich will es nicht fürder sein, Ich will nur warten dein Roß im Stall Und ihm schütten die Körner ein.

Ich will ihm selber machen die Streu Und es tränken mit eig’ner Hand, Nur laß mich atmen wieder aufs neu Die Luft im Vaterland.

Und willst du nicht, so hab’ einen Mut, Und ich will es danken dir, Und zieh dein Schwert und triff mich gut Und laß mich sterben hier.”

König Jakob sprang herab vom Pferd, Hell leuchtete sein Gesicht, Aus der Scheide zog er sein breites Schwert, Aber fallen ließ er es nicht.

“Nimm’s hin, nimm’s hin und trag’ es neu Und bewache mir meine Ruh’, Der ist in tiefster Seele treu, Wer die Heimat liebt wie du.

Zu Roß, wir reiten nach Linlithgow, Und du reitest an meiner Seit’, Da wollen wir fischen und jagen froh, Als wie in alter Zeit.”

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Archibald Douglas

Interpretation

Das Gedicht "Archibald Douglas" von Theodor Fontane erzählt die Geschichte eines alten Grafen Douglas, der nach sieben Jahren Buße um Vergebung beim König Jakob bittet. Der Graf, der einen rostigen Harnisch und ein Pilgerkleid trägt, trifft den König auf einer Waldstraße. Er appelliert an ihre gemeinsame Vergangenheit und erinnert den König an die Zeit, als er ihn als Kind auf den Knien wog und ihm Spielzeug schnitzte. Der Graf betont, dass er für die Taten seiner Brüder nicht verantwortlich ist und nur darum bittet, wieder in seinem Heimatland leben zu dürfen. Der König zeigt sich zunächst unversöhnlich und erklärt, dass er einen Douglas vor seinem Angesicht nicht ertragen könne. Trotz seiner Erschöpfung läuft der Graf jedoch neben dem Pferd des Königs bergauf, um seine Bitte noch einmal zu wiederholen. Er bietet an, fortan nur noch der Stallknecht des Königs zu sein und sich um dessen Pferd zu kümmern. Sollte der König ihm dies nicht gewähren, bittet der Graf darum, von ihm getötet zu werden. Am Ende des Gedichts ändert der König seine Meinung und erkennt die aufrichtige Liebe des Grafen zu seiner Heimat an. Er schenkt ihm sein Schwert neu und lädt ihn ein, gemeinsam nach Linlithgow zu reiten, wo sie wie in alten Zeiten fischen und jagen wollen. Das Gedicht endet mit der Aussöhnung der beiden Männer und der Aussicht auf eine friedliche Zukunft.

Schlüsselwörter

douglas roß könig will graf jakob denk hab

Wortwolke

Wortwolke zu Archibald Douglas

Stilmittel

Alliteration
Da wollen wir fischen und jagen froh, Als wie in alter Zeit
Anapher
Denk nicht an den alten Douglas-Neid, Der trotzig dich bekriegt, Denk lieber an deine Kinderzeit
Bildsprache
Zu Roß, wir reiten nach Linlithgow, Und du reitest an meiner Seit'
Hyperbel
Ich seh' dich nicht, Graf Archibald, Ich hör' deine Stimme nicht
Kontrast
Ich seh' dich nicht, ich höre dich nicht, Das ist alles, was ich kann
Metapher
Nimm's hin, nimm's hin und trag' es neu
Personifikation
Wo immer die Welt am schönsten war, Da war sie öd' und leer