April

Hermann Löns

1924

Laut flötet der Wind durch den Haselnußstrauch, Schneeflocken durchwirbeln den Hain, Bald Hagel, bald Regen und eisiger Hauch, Bald lachendster Lenzsonnenschein. Ich weiß ja, daß kurz dieser Sonnenblick dauert, Daß Hagel und Regen und Schneefall schon lauert Und Nordwinds erstarrendes Wehn, Und dennoch mich freudige Hoffnung durchschauert, Es ist ja so schön, ja so frühlingshaft schön.

Erfrieren auch die Veilchen, die gestern erblüht, Verstummt auch der Fink in dem Wald - So lieb ich, April dich, in meinem Gemüt Ist′s auch heute warm, morgen kalt. Auch dich hatt′ ich lieb, die so oft mich belogen, So oft mich mit Lachen und Weinen betrogen, Dich Mädel, trotz Falschheit und Lug, Ja, Zauberkraft war′s, die zu dir mich gezogen, Ja Trug, doch berauschender, seliger Trug.

Schon lange ist′s her, schon manch langes Jahr, Hab′ immer gern deiner gedacht, Du rosige Wange, du goldhelles Haar, Du Auge, voll tiefblauer Pracht, Ihr Lippen, wie konntet ihr lachen und schmollen, Ihr Augen, wie konntet ihr strahlen und grollen, Bald Höllenpein spenden und bald Paradies, Was half mir mein besseres Wissen und Wollen, Ja Lüge und Trug war′s, doch süß, ach so süß.

Ich weine den Blumen des Herzens nicht nach, Schon morgen erblüht neues Glück, Und wenn auch der Nordwind die Lenzblüten brach, Ein Jahr und sie kehren zurück. Ja Hagel und Regen und Sonne und Schneien, Und Wechsel von Trauer, von Lust und Bereuen, Bald jauchzend, bald düster und still, Die Lust nicht verachten, die Schmerzen nicht scheuen, Ich lieb euch, falsch Mädchen und falscher April.

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Illustration zu April

Interpretation

Das Gedicht "April" von Hermann Löns beschreibt die wechselhafte Natur des Monats April, die mit den Launen eines untreuen Mädchens verglichen wird. Der April wird als eine Zeit voller Kontraste dargestellt, mit plötzlichem Wechsel zwischen Sonne, Regen, Hagel und Schnee, was die Unberechenbarkeit und den Zauber dieser Jahreszeit widerspiegelt. Der Dichter drückt seine Zuneigung zum April aus, trotz seiner Launenhaftigkeit, ähnlich wie er eine untreue Geliebte liebt. Die Erinnerungen an eine vergangene Liebe, die durch rosige Wangen, goldblondes Haar und tiefblaue Augen charakterisiert wird, werden mit den wechselnden Wetterbedingungen des Aprils in Verbindung gebracht. Die Liebe zum April und zur untreuen Geliebten wird als berauschend und süß beschrieben, trotz der damit verbundenen Lügen und Täuschungen. Der letzte Teil des Gedichts reflektiert über die Vergänglichkeit und die Erneuerung des Lebens. Der Dichter weint nicht den vergangenen Blumen des Herzens nach, da er weiß, dass neues Glück und neue Blumen mit der Zeit zurückkehren werden. Er akzeptiert die Wechselhaftigkeit des Aprils und des Lebens, indem er sowohl die Freude als auch den Schmerz liebt, und erkennt die Schönheit in der Vergänglichkeit und der zyklischen Natur der Jahreszeiten und der Liebe.

Schlüsselwörter

bald hagel regen lieb trug schön erblüht april

Wortwolke

Wortwolke zu April

Stilmittel

Anapher
Die Wiederholung von 'Ich weiß ja' und 'Ich weine den Blumen des Herzens nicht nach'.
Hyperbel
Die Aussage 'Es ist ja so schön, ja so frühlingshaft schön' betont die Schönheit des Aprils.
Parallelismus
Die Struktur der letzten Zeile spiegelt die Struktur der ersten Strophe wider.
Personifikation
Der April wird als 'falsch' und 'betrügerisch' beschrieben, was menschliche Eigenschaften sind.
Wiederholung
Die Wiederholung von 'falsch' und 'Trug' zur Betonung der Täuschung und des Wechsels.