April

Wilhelm Müller

1794

Leichtsinnig, launig, neckisch, ausgelassen, Wandl′ ich in jeder Stunde Leib und Sinn: Kaum weiß ich selbst, wie ich beschaffen bin, Wie sollen mich die fremden Leute fassen?

Hier werf′ ich einen Schneeball durch die Gassen, Dort schweb′ ich blau in jungen Düften hin, Bald streich′ ich sanft der Schönen weiches Kinn, Bald sagen sie, ich wäre grob im Spaßen.

Gern wollt′ ich dir noch Vieles von mir sagen, Doch drückt mich des Sonettes enges Band, Das mir die Muse um den Mund geschlagen.

Sie sprach: Ich kenne dich als ungezogen, Und jener Herr hat in dem welschen Land Der besten Sitt′ als Kavalier gepflogen.

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Illustration zu April

Interpretation

Das Gedicht "April" von Wilhelm Müller beschreibt die launige und unbeständige Natur des Monats April, die sich in der eigenen Stimmung und dem Verhalten widerspiegelt. Der Sprecher wandelt leichtsinnig und neckisch durch die Stunden, wobei er sich selbst kaum kennt und sich fragt, wie ihn die fremden Leute fassen sollen. Die Unberechenbarkeit des Aprils wird durch die verschiedenen Handlungen des Sprechers verdeutlicht, wie das Werfen von Schneebällen oder das sanfte Streicheln der Schönen. Die zweite Strophe verdeutlicht die Zerrissenheit und den inneren Konflikt des Sprechers. Einerseits möchte er der Geliebten noch vieles von sich erzählen, andererseits fühlt er sich durch das enge Band des Sonettes in seiner Ausdrucksweise eingeschränkt. Die Muse hat ihm den Mund zugelegt, sodass er nicht frei sprechen kann. Dies symbolisiert die Begrenztheit der Sprache und die Schwierigkeit, komplexe Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen. In der dritten Strophe wird der Sprecher von der Muse als ungezogen bezeichnet, was auf seine unkonventionelle und unangepasste Art hindeutet. Im Gegensatz dazu wird ein Herr aus dem welschen Land erwähnt, der als Kavalier die beste Sitte gepflogen hat. Dies deutet auf einen Konflikt zwischen der freien, ungebundenen Natur des Sprechers und den gesellschaftlichen Konventionen und Erwartungen hin. Das Gedicht vermittelt somit das Gefühl der Zerrissenheit zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Anpassung.

Schlüsselwörter

bald sagen leichtsinnig launig neckisch ausgelassen wandl jeder

Wortwolke

Wortwolke zu April

Stilmittel

Alliteration
Leichtsinnig, launig, neckisch, ausgelassen
Hyperbel
Doch drückt mich des Sonettes enges Band
Kontrast
Kaum weiß ich selbst, wie ich beschaffen bin, Wie sollen mich die fremden Leute fassen?
Metapher
Des Sonettes enges Band
Personifikation
Die Muse um den Mund geschlagen