April
1832Augen, sagt mir, sagt, was sagt ihr? Denn ihr fragt was gar zu Schönes? Gar des lieblichsten Getönes; Und in gleichem Sinne fragt ihr.
Doch ich glaub′ euch zu erfassen: Hinter dieser Augen Klarheit Ruht ein Herz in Lieb′ und Wahrheit, Jetzt sich selber überlassen,
Dem es wohl behagen müßte, Unter so viel stumpfen, blinden, Endlich einen Blick zu finden, Der es auch zu schätzen wüßte.
Und indem ich diese Chiffern Mich versenke zu studieren, Laßt euch ebenfalls verführen, Meine Blicke zu entziffern!
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Interpretation
Das Gedicht "April" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der tiefen Sehnsucht nach Liebe und Verständnis. Der Sprecher richtet seinen Blick auf die Augen eines Gegenübers und fragt sich, was diese so Schönes erblicken mögen. Er deutet an, dass hinter der Klarheit der Augen ein Herz in Liebe und Wahrheit ruht, das sich selbst überlassen ist und sich nach einem Blick sehnt, der es zu schätzen weiß. Der Sprecher empfindet Mitgefühl für dieses Herz, das unter so vielen stumpfen und blinden Blicken endlich einen finden möchte, der es erkennt und wertschätzt. Er versenkt sich in die Betrachtung dieser "Chiffern", also der Zeichen und Signale, die die Augen aussenden, und lässt sich dabei ebenfalls von deren Anziehungskraft verführen. Er lädt das Gegenüber ein, ebenfalls einen Blick auf seine Augen zu werfen und diese zu entziffern. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung der Sehnsucht und des Hoffens auf eine tiefe Verbindung zwischen zwei Menschen. Der Sprecher spürt die Sehnsucht des anderen und möchte diese erwidern, indem er selbst einen offenen und verständnisvollen Blick schenkt. Es geht um die Suche nach einem Seelenverwandten, der die eigene Wahrheit erkennt und liebt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Augen, sagt mir, sagt, was sagt ihr?
- Chiasmus
- Meine Blicke zu entziffern
- Parallelismus
- Unter so viel stumpfen, blinden, endlich einen Blick zu finden
- Personifikation
- Augen, sagt mir, sagt, was sagt ihr?
- Rhetorische Frage
- Denn ihr fragt was gar zu Schönes?