Apricari

Ludwig Eichrodt

unknown

Ein Jüngling lag am Hügelrand, Und träumte von besseren Tagen, Er träumte von dem Vaterland, Vom letzten Schlachtenschlagen; Die Wimper zuckt, das Herz pocht laut, Er hat auf menschlicher Erd erschaut Kein Weinen mehr und Klagen.

Die Föhren säuselten in dem Wind, Hoch kreiste der Weih in den Lüften, Der Morgenathem kam so lind Herüber die grünen Triften; Und in der jungen träumenden Brust Eine Friedenswelt ward sich bewußt, Berauscht von Freiheitsdüften.

Es war der Liebe goldenes Reich In alle Thäler gezogen, Da machte die Schönheit die Menschen gleich, Da ward keiner Treue gelogen, Da war keine Sünde, da war keine Schuld, Da schwelgete Alles in Liebeshuld Was unter dem Himmelsbogen.

So wacht er auf in grüner Flur, Gen Süden glänzte die Sonne, Kein Menschenlaut! er hörte nur Der Vögel Liederwonne. Zur Seite rieselt ihm leis ein Quell, So silberfrisch, so dunkel hell, Er trank vom klaren Bronne.

Daß er geträumt, er wußt es nicht, War von der Welt genesen, Er glaubte wie im Traumgesicht So sei es immer gewesen. Dann that er wieder die Augen zu, Und lag in schweigender Schlafesruh, Genesen.

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Illustration zu Apricari

Interpretation

Das Gedicht "Apricari" von Ludwig Eichrodt beschreibt die Träume und Sehnsüchte eines jungen Mannes, der am Hügelrand liegt und von einer besseren Welt träumt. Der Jüngling träumt von seinem Vaterland und vom letzten Schlachtenschlagen, in der Hoffnung auf eine Welt ohne Weinen und Klagen. Die Natur um ihn herum, wie die säuselnden Föhren und der kreischende Weih, verstärkt das Gefühl von Frieden und Freiheit in seiner träumenden Brust. In seinem Traum betritt der Jüngling das goldene Reich der Liebe, in dem die Schönheit die Menschen gleich macht und Treue nicht gelogen wird. Es herrscht eine Atmosphäre ohne Sünde und Schuld, und alles unter dem Himmelsbogen schwelgt in Liebeshuld. Der Traum scheint so real zu sein, dass der Jüngling beim Erwachen nicht erkennt, dass er geträumt hat. Er glaubt, dass die Welt immer so gewesen sei, wie er sie im Traumgesicht sah. Schließlich legt sich der Jüngling wieder schlafen und verweilt in schweigender Schlafesruh, genesen von seinen Träumen und Sehnsüchten. Das Gedicht vermittelt die Sehnsucht nach einer besseren Welt, in der Frieden, Freiheit und Liebe herrschen, und zeigt die Kraft der Träume, den Geist zu erfrischen und zu heilen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Kein Weinen mehr und Klagen
Bildsprache
Zur Seite rieselt ihm leis ein Quell
Hyperbel
Berauscht von Freiheitsdüften
Ironie
Daß er geträumt, er wußt es nicht
Kontrast
Kein Menschenlaut! er hörte nur Der Vögel Liederwonne
Metapher
Es war der Liebe goldenes Reich
Personifikation
Die Föhren säuselten in dem Wind
Symbolik
Der Weih in den Lüften
Vergleich
So silberfrisch, so dunkel hell