Apollo von Belvedere
1813Wer schön, wie du, ist, soll dich einst zerschlagen! So sprach der Meister, als er dich vollendet Und vor dir stand, von deinem Glanz geblendet: Er hatte nichts bei diesem Wort zu wagen.
Denn, wen auch noch seit deines Ursprungs Tagen Die neidische Natur hieher gesendet, Hier hat sich immer sein Triumph geendet, Kein Jüngling stand noch vor dir, als mit Zagen.
Ja, könnte selbst in Zukunft einer kommen, Dir gleich und dennoch fähig, dich zu hassen, Er würde nimmer büßen sein Gelüste:
Er hätte kaum die Axt zur Hand genommen, So müßt′ er sie schon wieder fallen lassen, Weil er schon dadurch häßlich werden müßte.
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Interpretation
Das Gedicht "Apollo von Belvedere" von Friedrich Hebbel beschreibt die überwältigende Schönheit der gleichnamigen Skulptur und die Wirkung, die sie auf den Betrachter hat. Der Meister, der den Apollo geschaffen hat, soll gesagt haben, dass jemand, der so schön wie die Statue ist, sie eines Tages zerstören wird. Dies unterstreicht die paradoxe Natur der Schönheit, die sowohl Bewunderung als auch Neid hervorrufen kann. Hebbel betont, dass niemand jemals vor dem Apollo gestanden hat, ohne von seiner Schönheit eingeschüchtert zu sein. Selbst wenn in Zukunft jemand kommen sollte, der dem Apollo gleich ist und ihn dennoch hassen könnte, würde er nicht in der Lage sein, seinen Wunsch nach Zerstörung auszuführen. Die bloße Vorstellung, die Axt zu erheben, um die Statue zu zerstören, würde den potenziellen Zerstörer selbst hässlich machen und ihn davon abhalten, seinen Plan auszuführen. Das Gedicht vermittelt die Idee, dass wahre Schönheit unantastbar ist und dass der Versuch, sie zu zerstören, nur dazu führt, dass der Zerstörer selbst an Anmut und Würde verliert. Der Apollo von Belvedere wird als Inbegriff der Schönheit dargestellt, der selbst die stärksten negativen Emotionen wie Neid und Hass überwindet. Hebbel feiert die zeitlose und unzerstörbare Natur der Schönheit, die in der Kunst verkörpert ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Kein Jüngling stand noch vor dir, als mit Zagen
- Ironie
- Weil er schon dadurch häßlich werden müßte
- Metapher
- Wer schön, wie du, ist, soll dich einst zerschlagen
- Personifikation
- So sprach der Meister
- Vorahnung
- Er hätte kaum die Axt zur Hand genommen