Apoll und Dafne
1783Apoll, der gern nach Mädchen schielte, wie Dichter thun, sah einst im Thal, wo Schatten kühlte, die Dafne ruh′n.
Er nahte sich mit Stutzertritten, mit Ach und Oh, als Dafne schnell mit Zephirschritten dem Gott entfloh.
Sie flog voran; Apollo keuchte ihr hitzig nach, bis er die Schöne fast erreichte am Silberbach.
Da rief sie: Rettet mich, ihr Götter! Die Thörin die! Zeus winkt und starre Lorbeerblätter umfliegen sie.
Ihr Füßchen, sonst so niedlich, wurzelt im Boden fest; Apollo kömmt herangepurzelt und schreyet: Pest!
Dann lehnt er seine Wangen ans grüne Holz: Jüngst eine Nimfe, sein Verlangen, der Nimfen Stolz!
Er girrt ein Weilchen, sinnt, und pflücket sich einen Kranz, der seine blonden Scheitel schmücket bey Spiel und Tanz.
Du arme Dafne! Tausend pflücken nun Kränze sich von deinen Haaren, sich zu schmücken! Du dauerst mich!
Die Krieger und die Dichter zausen in deinem Haar, wie Stürme, die den Wald durchbrausen! Die Köche gar!
Ja, ja, die braunen Köche ziehen dir Locken aus, zum lieblichen Gewürz der Brühen beym Hochzeitsschmaus!
Laßt, Mädchen, euch dieß Beyspiel rühren, das Warnung spricht, und flieht, solang′ euch Reitze zieren uns Dichter nicht!
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Interpretation
Das Gedicht "Apoll und Dafne" von Ludwig Christoph Heinrich Hölty erzählt die mythologische Geschichte von Apoll und Dafne. Apoll, der Gott der Dichtkunst und des Gesangs, verliebt sich in die Nymphe Dafne. Als er ihr nachjagt, fleht sie zu den Göttern um Rettung. Zeus verwandelt Dafne in einen Lorbeerbaum, um sie vor Apoll zu schützen. Apoll, enttäuscht und frustriert, umarmt den Baum und schmückt sich mit einem Lorbeerkranz aus ihren Blättern. Das Gedicht ist eine humorvolle und ironische Interpretation der antiken Sage. Hölty verwendet einen lockeren und volkstümlichen Sprachstil, der im Kontrast zu der tragischen Natur der Geschichte steht. Er beschreibt Apoll als einen eitlen und leichtsinnigen Gott, der mehr an seinem eigenen Vergnügen interessiert ist als an wahrer Liebe. Dafne hingegen wird als unschuldiges Opfer dargestellt, das von den Launen der Götter und der Menschen ausgenutzt wird. Das Gedicht endet mit einer Warnung an die jungen Mädchen, sich vor Dichtern in Acht zu nehmen. Hölty deutet an, dass Dichter wie Apoll nur an ihrem eigenen Vergnügen interessiert sind und die Gefühle anderer nicht respektieren. Die letzte Strophe, in der die Köche die Locken des Lorbeerbaums als Gewürz verwenden, unterstreicht die Ironie und den Humor des Gedichts. Es zeigt, wie etwas, das einst als Symbol der Liebe und Schönheit galt, zu einem alltäglichen und profanen Gegenstand wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Apollo keuchte ihr hitzig nach
- Anspielung
- Du arme Dafne! Tausend pflücken nun Kränze sich von deinen Haaren
- Hyperbel
- Dann lehnt er seine Wangen ans grüne Holz
- Ironie
- Die Krieger und die Dichter zausen in deinem Haar
- Kontrast
- Ihr Füßchen, sonst so niedlich, wurzelt im Boden fest
- Metapher
- wie Stürme, die den Wald durchbrausen
- Moralische Lehre
- Laßt, Mädchen, euch dieß Beyspiel rühren, das Warnung spricht
- Personifikation
- Zeus winkt und starre Lorbeerblätter umfliegen sie
- Symbolik
- sternre Lorbeerblätter