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Apfelernte

Von

Die ersten Äpfel fallen vom Wurm,
Die zweiten Äpfel, die fällt der Sturm,
Die dritten erntet man ein:
Welche mögen die besten wohl sein?

Die dritten natürlich! lacht jedermann:
Weil man nur die servieren kann!
Die schält sich dann
Respektvoll der Esser
Mit sorglichem Messer –
Doch Wurm und Sturm, die wissen es besser.

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Gedicht: Apfelernte von Hanns von Gumppenberg

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Apfelernte“ von Hanns von Gumppenberg präsentiert auf humorvolle Weise eine Betrachtung über Wert und Vergänglichkeit, indem es die unterschiedlichen Stadien der Apfelernte aufgreift. Das Gedicht beginnt mit einer scheinbar einfachen Frage: Welche Äpfel sind die besten? Dabei werden die Früchte unterschieden, die vom Wurm fallen, vom Sturm geworfen werden, und schließlich diejenigen, die durch menschliche Hand geerntet werden. Die anfängliche Ordnung des Gedichts, in der die Natur die Hauptrolle spielt (Wurm, Sturm), wird im Schlussakkord aufgebrochen.

Die Pointe des Gedichts liegt in der Antwort, die „jedermann“ gibt: Die dritten Äpfel, also die, die durch die menschliche Ernte ins Spiel kommen, sind die besten, da man sie „servieren kann“. Dies deutet auf die soziale Konvention und das Streben nach Äußerlichkeiten hin. Der Mensch, dargestellt durch den „Esser“, der die Äpfel „respektvoll“ schält, scheint einen gewissen Wert auf Ästhetik und Genuss zu legen. Die Betonung auf dem sorgfältigen Umgang mit dem Messer verstärkt diesen Eindruck.

Der wahre Kern der Ironie liegt in den letzten beiden Versen. Hier wenden sich „Wurm und Sturm“ – die Naturkräfte – gegen die menschliche Hybris. Sie „wissen es besser“, was impliziert, dass die besten Äpfel vielleicht nicht die sind, die dem menschlichen Anspruch genügen. Sie sind womöglich nicht so makellos, perfekt geformt oder optisch ansprechend, aber vielleicht in anderer Weise wertvoller. Diese Perspektive stellt die menschliche Wertschätzung in Frage und deutet auf die Wertschätzung von Zyklen und der Natur selbst hin.

Gumppenberg spielt hier mit dem Kontrast zwischen Schein und Sein. Der Mensch konzentriert sich auf die Äußerlichkeiten, während die Natur, durch Wurm und Sturm repräsentiert, eine tiefere, vielleicht unbeachtete Weisheit besitzt. Das Gedicht ist somit eine spielerische Auseinandersetzung mit dem menschlichen Streben nach Perfektion und dem oft übersehenen Wert des Natürlichen und Unvollkommenen. Es ist ein kleiner Spiegel, der die menschliche Eitelkeit reflektiert und die Vergänglichkeit des irdischen Lebens in den Vordergrund rückt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.