Apassionata

Gerrit Engelke

1918

Du hast durch Deinen Kuß Mein stromvoll Blut geweckt Und mein Gesicht warm aufgehoben aus dem Tag, Daß mich nun uferlose große Nacht umspült, Herwehend Glanz und Taumel. Einwiegend Zittern schwillt in meiner Füße Wurzeln, Einströmen lassend Erde und Getön, Und springt aus meiner Kniee Schreiten in die Brust Zu meerbewegter Melodie, Darin mein Herz, die Orgel rauscht. Nun sich im Takte meine Sohlen heben Und grenzenlos beseeltes Schweben Die Glieder übergießt: Hab ich die Arme aufgehoben, Und fühl, wie meiner aufgelockten Haare Schopf Die nachtbemalten Wolken streift, Sternblütenkranz die Stirn umgreift, Und tanze, tanze zu Dir hin! Denn meiner segelwilden Sehnsucht Schauer, All meiner Einsamkeiten Trauer, Mein hin und her durchflutet Sein, Und nun des selgen Leibes neue Lust: Stürmt fort und fort an Deine Brust, Will nur in Dir geborgen sein.

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Illustration zu Apassionata

Interpretation

Das Gedicht "Apassionata" von Gerrit Engelke beschreibt eine intensive und leidenschaftliche Begegnung zwischen zwei Menschen. Der Sprecher wird durch den Kuss des Gegenübers aus einem alltäglichen Zustand geweckt und in eine neue, überwältigende Erfahrungswelt versetzt. Die Nacht umhüllt ihn, und er fühlt sich von einem Meer aus Glanz und Taumel erfasst. Sein Körper reagiert mit Zittern und einem Drang, sich zu bewegen, als würde er von der Erde selbst durchströmt. Die zweite Strophe verdeutlicht die körperliche Ausdrucksform dieser Leidenschaft: Der Sprecher tanzt, getragen von einer inneren Melodie, die sein Herz zum "Orgelrauschen" bringt. Seine Arme hebt er empor, fühlt die Nacht und die Sterne um sich herum, als wären sie Teil seiner Ekstase. Der Tanz wird zum Ausdruck seiner Sehnsucht und seiner Einsamkeit, die nun in der Vereinigung mit dem Gegenüber aufgehen. Im letzten Teil des Gedichts kulminiert die Leidenschaft in einem stürmischen Drang, sich dem Geliebten hinzugeben. All die Sehnsucht, Trauer und das eigene Sein strömen auf die Brust des Anderen zu, getrieben von dem Wunsch, in ihm vollkommen aufgehoben und geborgen zu sein. Das Gedicht endet mit dem Ausdruck eines tiefen Verlangens nach Vereinigung und Hingabe.

Schlüsselwörter

aufgehoben brust tanze hin fort hast kuß stromvoll

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Stilmittel

Metapher
Will nur in Dir geborgen sein
Personifikation
Daß mich nun uferlose große Nacht umspült