Anziehender Schauder

Charles-Pierre Baudelaire

1821

Schau dieses Himmels fahle Seltsamkeiten, Wie dein Geschick zerrissen, wunderlich, Was mag durch deine leere Seele gleiten, Was fühlst du bei dem Anblick? Wüstling, sprich.

Ich fühle Gier nach wirren Dunkelheiten, Nach Qual und Ungewissheit lechze ich, Doch nicht voll Jammer starr ich in die Weiten, Wie einst Ovid, da Rom für ihn erblich.

Ihr wild zerrissnen, grauen Himmelsräume, Ihr seid, wie ich, von Trotz und Stolz erfüllt! Und eure Wolken trauerflorumhüllt,

Es sind die Leichenwagen meiner Träume, Von eurem Schein geht fremdes Leuchten aus, Ein Glanz der Hölle, wo mein Herz zu Haus.

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Interpretation

Das Gedicht "Anziehender Schauder" von Charles-Pierre Baudelaire beschreibt die Beziehung des lyrischen Ichs zu den "fahlen Seltsamkeiten" des Himmels, die es als Spiegelbild seines eigenen Schicksals betrachtet. Die erste Strophe stellt die Frage nach den Empfindungen des Sprechers beim Anblick des Himmels und bezeichnet ihn als "Wüstling", was auf eine gewisse Verworfenheit oder Lasterhaftigkeit hindeutet. Die zweite Strophe gibt die Antwort des lyrischen Ichs, das eine "Gier nach wirren Dunkelheiten" und eine Sehnsucht nach "Qual und Ungewissheit" empfindet. Es unterscheidet sich jedoch von Ovid, der in die Ferne starrte, voller "Jammer", als Rom ihm "erblich" wurde. Die dritte Strophe vergleicht die "wild zerrissenen, grauen Himmelsräume" mit dem lyrischen Ich selbst, das von "Trotz und Stolz erfüllt" ist. Die Wolken, die von Trauerflor umhüllt sind, werden als "Leichenwagen" der Träume des Sprechers interpretiert. Die letzte Strophe beschreibt den "fremden Glanz", der vom Himmel ausgeht, als "Glanz der Hölle", in der das Herz des lyrischen Ichs zu Hause ist. Dies deutet auf eine Affinität des Sprechers zu dunklen, mysteriösen und möglicherweise zerstörerischen Kräften hin. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Melancholie, Sehnsucht und einer gewissen Faszination für das Unheimliche und das Unbekannte.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Allusion
Wie einst Ovid, da Rom für ihn erblich
Hyperbel
Ich fühle Gier nach wirren Dunkelheiten
Kontrast
Doch nicht voll Jammer starr ich in die Weiten
Metapher
Leichenwagen meiner Träume
Personifikation
Schau dieses Himmels fahle Seltsamkeiten
Symbolik
Euer Schein geht fremdes Leuchten aus, Ein Glanz der Hölle, wo mein Herz zu Haus