Antworten

Anastasius Grün

1808

»Dichter, bleib’ bei deinen Blumen! Nicht an Thronen frech gemeistert! – Wenn dich mehr als Blumenkronen eines Fürsten Kron’ begeistert, Feire, wie’s so manch’ bescheidner, vaterländ’scher Sänger thut, Hohe Fest- und Namenstage, huldigend mit Sangesgluth!«

Hohn bedünkt es mich, den Fürsten sonst zum Ruhme nichts zu singen, Als daß sie geboren wurden, und auch Namen gar empfingen! Buben mögen solches rühmen! Aber schweigen laßt mein Lied, Bis es große Thaten ragen, Licht und Freiheit strahlen sieht!

»Wie du doch so unerträglich! Freiheit stets, und Freiheit wieder! Stets dasselbe Liedlein leiernd! Kennst du sonst denn keine Lieder? Willst du winseln nur und klagen, nimm dir doch ein andres Ziel! Suche andre Stoff’ und Weisen, in der Welt ist Jammers viel!«

Soll ich unser Land wohl schmähen? O kein schön’res find’ ich wieder! Soll ich unser Volk verlästern? Das ist treu und gut und bieder! Einen Fehl nur haben beide: daß die Freiheit ihnen fehlt, Drob das Herz nur eine Klage, nur ein Lied den Mund beseelt!

»Ei, dein Schmerz sei dir gelassen! Doch was störest du die Andern, Die zu euren schönen Bergen, duft’gen Wäldern fröhlich wandern, An der reifen Saat sich freuend, labend sich am goldnen Wein? Was in ihren Jubel rasselst du mit unsern Ketten drein?«

Eben weil in solchem Jubel, zwischen solchem Blüthenleben, Zwischen goldner Saaten Säuseln, zwischen Kränzen duft’ger Reben, Unter Bäumen grün und laubig, unter Lerchen leichtbeschwingt, Das Gerassel arger Ketten gar so wunderschaurig klingt!

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Interpretation

Das Gedicht "Antworten" von Anastasius Grün ist eine kraftvolle Verteidigung der poetischen Freiheit und der Verpflichtung des Dichters, sich für die Freiheit und das Wohl des Volkes einzusetzen. Der Dichter weist die Aufforderung zurück, sich auf die Schönheit der Natur und die Huldigung von Fürsten zu beschränken. Stattdessen betont er, dass wahre Größe und Ehre nur durch Taten erlangt werden, die Licht und Freiheit bringen. Er kritisiert die Oberflächlichkeit derjenigen, die nur die Geburt und die Namen der Herrscher feiern, und fordert eine tiefere, bedeutungsvollere Auseinandersetzung mit den Themen, die das Herz des Volkes berühren. Der Dichter verteidigt seine ständige Beschäftigung mit dem Thema der Freiheit, indem er argumentiert, dass es kein schöneres oder treueres Volk gibt als das seine, abgesehen von dem Mangel an Freiheit. Dieser Mangel ist die Quelle seiner Klage und der einzige Grund, warum sein Herz und sein Mund sich nur auf dieses eine Lied konzentrieren. Er weist die Kritik zurück, dass er die Freude und den Wohlstand anderer störe, indem er auf die Ketten der Unterdrückung hinweist, die unter der Oberfläche des scheinbaren Glücks und der Schönheit lauern. Das Gedicht ist eine leidenschaftliche Erklärung, dass die Poesie nicht nur der Unterhaltung dienen soll, sondern auch ein Werkzeug für soziale und politische Veränderung sein kann.

Schlüsselwörter

freiheit zwischen fürsten sonst gar lied stets soll

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Stilmittel

Anapher
Freiheit stets, und Freiheit wieder! Stets dasselbe Liedlein leiernd!
Bildsprache
Soll ich unser Land wohl schämen? O kein schöneres find' ich wieder! Soll ich unser Volk verlästern? Das ist treu und gut und bieder!
Enjambement
Zwischen solchem Blüthenleben, Zwischen goldner Saaten Säuseln, Zwischen Kränzen duft'ger Reben, Unter Bäumen grün und laubig, Unter Lerchen leichtbeschwingt, Das Gerassel arger Ketten gar so wunderschaurig klingt!
Hyperbel
Bis es große Thaten ragen, Licht und Freiheit strahlen sieht!
Ironie
Buben mögen solches rühmen!
Metapher
Feiere, wie's so manch' bescheidner, vaterländ'scher Sänger thut, Hohe Fest- und Namenstage, huldigend mit Sangesgluth!
Personifikation
Das Gerassel arger Ketten gar so wunderschaurig klingt!
Reimschema
ABAB
Wiederholung
Freiheit stets, und Freiheit wieder! Stets dasselbe Liedlein leiernd!