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Antwort

Von

Die Sonne stieg zum Himmelsraum
Mit heller Glut hinauf,
Und alles wacht aus stillem Traum
Zu lautem Leben auf.

Woher hast du die Feuerpracht,
Du lichte Sonnenglut,
Und warum sankst du über Nacht
Zur kühlen Meeresflut?

Die Glut hab ich von Ewigkeit,
Als Widerstral des Lichts,
Das mir der Liebesblick verleiht
Des Gottesangesichts.

Und in die Flut sank ich zur Nacht,
Daß euch das Auge nicht
Durch meines Feuers Flammenpracht
Schon vor dem Sterben bricht!

Doch Eines noch— ich fleh dich an —
Nur Eins noch gib mir kund:
Wann ist vollendet deine Bahn
Und deine letzte Stund?

Du eitler Thor! der nicht einmal
Mein Angesicht verträgt,
Und so vermessen meinen Stral
Der Ewigkeit befrägt, —

Wälz dich im Staub vor meinem Licht —
Du bist noch viel zu klein,
Als daß mit dir vom Ende spricht
Der ewige Sonnenschein! —

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Gedicht: Antwort von Hermann Rollett

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Antwort“ von Hermann Rollett ist eine poetische Auseinandersetzung mit der Natur der Sonne, ihrem Ursprung und ihrer Ewigkeit, sowie der Unzulänglichkeit menschlichen Verstehens. Es präsentiert eine dialektische Struktur, in der Fragen gestellt und von der Sonne in einer herablassenden, aber weisen Weise beantwortet werden.

Die ersten beiden Strophen etablieren die Szenerie und die zentrale Frage des Gedichts. Der lyrische Sprecher fragt die Sonne nach ihrem Ursprung und dem Grund für ihr Verschwinden in der Nacht. Die Antwort der Sonne, die in den folgenden Strophen erfolgt, ist von einer erhabenen und allwissenden Haltung geprägt. Sie erklärt ihr Leuchten als „Widerstral des Lichts“, der von dem „Liebesblick des Gottesangesichts“ verliehen wird, und ihr Versinken in die Meeresflut als Schutz für die Menschheit vor ihrer überwältigenden Pracht.

Die Antwort der Sonne enthüllt eine kosmische Perspektive, die das menschliche Fragen nach Sinn und Ewigkeit relativiert. Die Sonne erblickt die Menschheit als unbedeutend und unzureichend, um die Geheimnisse ihrer Existenz zu erfassen. Sie beschreibt den Fragenden als „eitlen Thor,“ der es nicht vermag, ihrem Angesicht standzuhalten, und dem daher keine Antwort auf die Frage nach dem Ende ihrer Bahn gewährt werden kann. Dieses Bild verdeutlicht die Kluft zwischen dem menschlichen Streben nach Erkenntnis und der Unbegreiflichkeit des Göttlichen und Ewigen.

Die Sprache des Gedichts ist gehoben und symbolträchtig, mit Bildern von „Feuerpracht“, „heller Glut“ und dem „ewigen Sonnenschein“, die die Größe und Unermesslichkeit der Sonne widerspiegeln. Die Verwendung von rhetorischen Fragen und direkten Anreden verstärkt die dramatische Wirkung und die Auseinandersetzung zwischen dem irdischen Fragenden und dem kosmischen Antagonisten. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Demut und der Erkenntnis der menschlichen Beschränktheit angesichts der Natur und der Ewigkeit, indem es verdeutlicht, dass einige Fragen jenseits des menschlichen Verstehens liegen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.