Anto-logie

Christian Morgenstern

1871

Im Anfang lebte, wie bekannt, als größter Säuger der Gig - ant.

Wobei gig eine Zahl ist, die es nicht mehr gibt, - so groß war sie!

Doch jene Größe schwand wie Rauch. Zeit gabs genug - und Zahlen auch.

Bis eines Tags, ein winzig Ding, der Zwölef - ant das Reich empfing.

Wo blieb sein Reich? Wo blieb er selb? - Sein Bein wird im Museum gelb.

Zwar gab die gütige Natur den Elef - anten uns dafur.

Doch ach, der Pulverpavian, der Mensch, voll Gier nach seinem Zahn,

erschießt ihn, statt ihm Zeit zu lassen, zum Zehen - anten zu verblassen.

O ′Klub zum Schutz der wilden Tiere′, hilf, daß der Mensch nicht ruiniere

die Sprossen dieser Riesenleiter, die stets noch weiter führt und weiter!

Wie dankbar wird der Ant dir sein, läßt du ihn wachsen und gedeihn, -

bis er dereinst im Nebel hinten als Nulel - ant wird stumm verschwinden.

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Illustration zu Anto-logie

Interpretation

Das Gedicht "Anto-logie" von Christian Morgenstern handelt von der Evolution und dem unausweichlichen Untergang der Anten, einer fiktiven Riesenantenspezies. Es beginnt mit der Beschreibung des Gig-ant, des größten Säugetiers, dessen Größe mit einer Zahl verglichen wird, die es nicht mehr gibt. Doch im Laufe der Zeit schrumpft die Größe der Anten, bis schließlich der Zwölef-ant das Reich der Anten übernimmt. Der Zwölef-ant ist so klein, dass nur noch sein Bein im Museum zu sehen ist. Das Gedicht kritisiert die menschliche Gier nach dem Elfenbein der Elefanten, die anstelle der ausgestorbenen Anten existieren. Der Mensch schießt die Elefanten, anstatt ihnen Zeit zu geben, zu Zehen-anten zu werden, was auf den langsamen Prozess der Evolution anspielt. Morgenstern fordert den "Klub zum Schutz der wilden Tiere" auf, einzugreifen und den Menschen daran zu hindern, die "Sprossen dieser Riesenleiter" zu zerstören, die immer weiter nach oben führt. Abschließend drückt das Gedicht die Hoffnung aus, dass die Anten wachsen und gedeihen können, bis sie schließlich als Nulel-ant im Nebel verschwinden. Dies könnte als Metapher für den Kreislauf des Lebens und des Aussterbens verstanden werden, wobei die Anten als Symbol für die Vergänglichkeit aller Lebewesen dienen. Morgenstern nutzt die fiktive Spezies der Anten, um auf die Bedrohung durch den Menschen für die Tierwelt und die Notwendigkeit des Schutzes gefährdeter Arten hinzuweisen.

Schlüsselwörter

ant gig zeit reich blieb anten mensch weiter

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Stilmittel

Alliteration
Der Zwölef - ant das Reich empfing
Hyperbel
Gig eine Zahl ist, die es nicht mehr gibt, - so groß war sie!
Ironie
O 'Klub zum Schutz der wilden Tiere', hilf, daß der Mensch nicht ruiniere die Sprossen dieser Riesenleiter
Metapher
Wie bekannt, als größter Säuger der Gig - ant
Personifikation
Die gütige Natur gab den Elef - anten uns dafur