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Ansturm

Von

O zürne nicht, wenn mein Begehren
dunkel aus seinen Grenzen bricht,
soll es uns selber nicht verzehren,
muß es heraus ans Licht!

Fühlst ja, wie all mein Innres brandet,
und wenn herauf der Aufruhr bricht,
je über deinen Frieden strandet,
dann bebst du aber du zürnst mir nicht.

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Gedicht: Ansturm von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Ansturm“ von Richard Dehmel thematisiert die eruptive Kraft und den unbändigen Drang der Leidenschaft, der sich in einem Sturm der Gefühle entlädt. Der Autor spricht hier eine geliebte Person an und entschuldigt sich für die Intensität seiner Gefühle, die wie ein unaufhaltsamer Ansturm über sie hereinbrechen. Die Worte sind ein Appell um Verständnis, da die Liebe, so stark sie auch sein mag, ansonsten droht, den Liebenden zu zerstören, wenn sie nicht ausbrechen und sich entfalten darf.

Die Metaphern in den Strophen sind sehr bildhaft und kraftvoll. Das „Begehren“, das aus seinen „Grenzen bricht“, beschreibt den unkontrollierten Ausbruch der Gefühle. Die Zeile „soll es uns selber nicht verzehren, / muss es heraus ans Licht!“ verdeutlicht die Notwendigkeit, diese Leidenschaft auszuleben, um nicht von ihr vernichtet zu werden. Die Zeile lässt das Gefühl anklingen, dass die unterdrückte Leidenschaft wie ein innerer Dämon wirken kann, der sich nur entlädt, wenn er seinen Weg ins Freie findet. Das „Licht“ steht dabei für die Offenheit und die Möglichkeit der gemeinsamen Erfahrung der Gefühle.

Im zweiten Teil des Gedichts fokussiert sich die Beschreibung auf die Reaktion der geliebten Person. Das „brandende Innere“ des Sprechers wird durch die Sinnlichkeit des Wortes dargestellt, und er beschreibt die Unruhe und den Sturm, der in ihm tobt. Trotz dieser Intensität, die den „Frieden“ der geliebten Person „über den Strand“ wirft, wird deutlich, dass sie zwar „bebt“, aber nicht zürnt. Dies ist ein zentrales Element des Gedichts, da es das Verständnis, die Akzeptanz und die Liebe der geliebten Person hervorhebt, was es dem Sprecher erlaubt, seine Gefühle offen und ohne Furcht auszuleben.

Das Gedicht ist ein Ausdruck tiefer Zuneigung und des Wunsches nach einer innigen, verständnisvollen Beziehung, in der die Intensität der Gefühle nicht als Bedrohung, sondern als ein natürlicher Teil des Zusammenseins wahrgenommen wird. Die Abwesenheit von Zorn, obwohl die Leidenschaft „über deinen Frieden strandet“, zeigt die Akzeptanz und die Liebe der geliebten Person, die eine tiefe Vertrautheit und ein gegenseitiges Verständnis in der Beziehung impliziert. Dehmels „Ansturm“ feiert somit die Schönheit und die Erschütterung der Liebe, die beide Seiten des menschlichen Daseins umfasst.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.