Ans deutsche Volk

Hermann Rollett

1845

Ich könnt ein Lied euch singen Von einer großen Schmach, — Es müßte das Herz euch springen, Wie mir der Glaube brach.

Doch will ich lieber schweigen In bitterer Traurigkeit, Und weinend das Antlitz neigen Auf diese böse Zeit. —

Zu Leipzig an den Bäumen Da klebt noch schuldlos Blut, Wir aber denken und träumen Und haben keinen Mut.

O Volk, du läßt dich erschlagen In feiger Ergebenheit, Doch, was du magst ertragen, Verdienst du in alle Zeit!

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Interpretation

Das Gedicht "Ans deutsche Volk" von Hermann Rollett ist ein leidenschaftlicher Appell an das deutsche Volk, sich gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu erheben. Der Dichter drückt seine tiefe Enttäuschung und Trauer über die passive Haltung des Volkes aus, das er als feige und ergeben empfindet. Er beklagt die verlorene Ehre und den Mut, der nötig wäre, um für die eigenen Rechte einzustehen. Rollett beginnt mit der Aussage, dass er ein Lied über eine große Schmach singen könnte, das die Herzen zum Springen bringen würde. Doch stattdessen entscheidet er sich dafür, zu schweigen und in Trauer zu verharren. Er bezieht sich auf das Blut an den Bäumen in Leipzig, was auf die blutigen Ereignisse der Befreiungskriege anspielt. Der Dichter kritisiert das Volk dafür, dass es weiterhin träumt und denkt, anstatt mutig aufzustehen und für seine Rechte zu kämpfen. Das Gedicht endet mit einer scharfen Verurteilung des Volkes, das sich ergeben lässt und erduldet, was es auch immer erduldet. Rollett stellt klar, dass das Volk das bekommt, was es verdient, und dass es in alle Ewigkeit dafür verantwortlich ist. Das Gedicht ist ein Aufruf zum Handeln und ein Plädoyer für Mut und Entschlossenheit im Angesicht von Ungerechtigkeit.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
O Volk, du läßt dich erschlagen In feiger Ergebenheit
Bildlichkeit
An den Bäumen da klebt noch schuldlos Blut
Hyperbel
Verdienst du in alle Zeit
Kontrast
Wir aber denken und träumen Und haben keinen Mut
Metapher
Es müßte das Herz euch springen
Personifikation
In bitterer Traurigkeit