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Ans deutsche Volk

Von

Ich könnt ein Lied euch singen
Von einer großen Schmach, —
Es müßte das Herz euch springen,
Wie mir der Glaube brach.

Doch will ich lieber schweigen
In bitterer Traurigkeit,
Und weinend das Antlitz neigen
Auf diese böse Zeit. —

Zu Leipzig an den Bäumen
Da klebt noch schuldlos Blut,
Wir aber denken und träumen
Und haben keinen Mut.

O Volk, du läßt dich erschlagen
In feiger Ergebenheit,
Doch, was du magst ertragen,
Verdienst du in alle Zeit!

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Gedicht: Ans deutsche Volk von Hermann Rollett

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Ans deutsche Volk“ von Hermann Rollett ist eine bittere Anklage an das deutsche Volk und seinen Mangel an Widerstandsfähigkeit und Mut in einer Zeit der Unterdrückung. Der Autor verzichtet darauf, ein Lied über die erlittene Schmach zu singen, da er das Herz der Zuhörer nicht weiter verletzen möchte. Stattdessen wählt er das Schweigen und die Trauer, um seine Enttäuschung und seinen Schmerz über die passive Haltung des Volkes auszudrücken.

Die zweite Strophe vertieft die Gefühlslage des Sprechers. Er wählt das Schweigen und die Traurigkeit, anstatt das Leid durch ein Lied auszudrücken. Die Zeilen „Und weinend das Antlitz neigen / Auf diese böse Zeit“ offenbaren die tiefe Verzweiflung des Autors über die Geschehnisse. Diese Strophe verdeutlicht die Ohnmacht des Autors angesichts der Situation. Es ist ein Ausdruck der Resignation und der Trauer über die Umstände, die das deutsche Volk erleiden muss.

Die dritte Strophe verweist auf konkrete Ereignisse, wahrscheinlich auf das Blutvergießen in Leipzig, das als Symbol für die Unterdrückung und das Unrecht dient. Der Kontrast zwischen dem unschuldigen Blut, das an den Bäumen klebt, und der Trägheit des Volkes wird deutlich herausgestellt. Während das Blut für das Leid und die Opfer steht, wird das Volk als träumend und mutlos dargestellt, was die Kritik an seiner Passivität verstärkt.

Die letzte Strophe ist eine direkte Ansprache an das Volk und kulminiert in einer scharfen Kritik und einem Appell zum Handeln. Rollett wirft dem Volk vor, sich „erschlagen“ zu lassen und sich in „feiger Ergebenheit“ zu fügen. Die abschließenden Zeilen, „Doch, was du magst ertragen, / Verdienst du in alle Zeit!“, sind eine harsche Aussage, die die Selbstverantwortung des Volkes betont. Sie deuten darauf hin, dass das Volk die Konsequenzen seiner Passivität selbst zu tragen hat. Das Gedicht ist somit eine Mahnung an die Selbstachtung und den Mut, sich gegen Unterdrückung zur Wehr zu setzen, und eine Anklage an die Feigheit und das fehlende Engagement.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.