Anrede

Ernst Stadler

unbekannt

Ich bin nur Flamme, Durst und Schrei und Brand. Durch meiner Seele enge Mulden schießt die Zeit Wie dunkles Wasser, heftig, rasch und unerkannt. Auf meinem Leibe brennt das Mal: Vergänglichkeit.

Du aber bist der Spiegel, über dessen Rund Die großen Bäche alles Lebens gehn, Und hinter dessen quellend gold′nem Grund Die toten Dinge schimmernd aufersteh′n.

Mein Bestes glüht und lischt - ein irrer Stern, Der in den Abgrund blauer Sommernächte fällt - Doch deiner Tage Bild ist hoch und fern, Ewiges Zeichen, schützend um dein Schicksal hergestellt.

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Illustration zu Anrede

Interpretation

Das Gedicht "Anrede" von Ernst Stadler handelt von der Vergänglichkeit des Lebens und der Beständigkeit der Erinnerung. Der Sprecher beschreibt sich selbst als flüchtig und vergänglich, als eine Flamme, die brennt und erlischt. Die Zeit wird als dunkles Wasser dargestellt, das durch die enge Mulde der Seele schießt. Auf dem Körper des Sprechers brennt das Mal der Vergänglichkeit. Die angesprochene Person wird als Spiegel beschrieben, über den die großen Bäche des Lebens fließen. Hinter dem goldenen Grund des Spiegels schimmern die toten Dinge wieder auf. Der Sprecher beschreibt sein Bestes als einen irren Stern, der in den Abgrund blauer Sommernächte fällt. Doch das Bild der angesprochenen Person ist hoch und fern, ein ewiges Zeichen, das schützend um ihr Schicksal hergestellt ist. Das Gedicht drückt die Idee aus, dass die Erinnerung an eine Person die Vergänglichkeit des Lebens überdauern kann. Die angesprochene Person wird als Spiegel dargestellt, der die Erinnerung an das Leben reflektiert und bewahrt. Der Sprecher selbst ist flüchtig und vergänglich, aber die Erinnerung an ihn wird durch den Spiegel der angesprochenen Person bewahrt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
Ewiges Zeichen, schützend um dein Schicksal hergestellt
Kontrast
Mein Bestes glüht und lischt - ein irrer Stern
Metapher
Ich bin nur Flamme, Durst und Schrei und Brand
Personifikation
Die großen Bäche alles Lebens gehn
Symbolik
Das Mal: Vergänglichkeit